Monate vor ihrem großen Abenteuer auf der anderen Seite der Erde hatten es sich der Junge und das Mädchen genau überlegt: Sie würden den Schicksalsberg – oder wie ihn die Menschen nannten – den Tongariro besteigen. Naja, zumindest die Tongariro Alpine Crossing machen, die etwa 7-8 Stunden dauert und knapp 20km beträgt. Man beginnt auf 1120 Höhenmetern, steigt auf 1868m hinauf und dann auf 760m hinunter.
„Wir müssen anfangen zu trainieren!“, beschlossen sie in Südkorea und begannen kleine Wanderungen zu machen, die ein wenig größer und länger waren als das, was sie aus ihrem Alltag in ihrer Heimat kannten. Aber es machte Spaß! Und mehr und mehr fanden sie Gefallen daran, die Natur zu erkunden und immer ein wenig mehr zu wagen. Nicht zu viel. Ganz so geübt waren sie schließlich auch nicht. Aber der Tongariro kam näher und näher und allzu viel Zeit hatten sie nicht mehr.
Die Dauer der Wanderungen wurde länger. Von zwei Stunden auf drei Stunden auf vier Stunden. Letztendlich schafften sie die meisten Strecken sogar in kürzerer Zeit als angegeben war. So bestiegen sie beispielsweise den Aussichtspunkt für die Sicht auf den Franz Josef Gletscher in vier statt fünfeinhalb Stunden – inklusive Rückweg. Mehr und mehr fühlten sie sich für den Tongariro vorbereitet und buchten schließlich einen Bus, der sie (vor dem Aufstieg) vom Ziel-Parkplatz zum Ausgangspunkt der Wanderung brachte. Den Respekt vor einer solchen Alpinen Wanderung verloren sie allerdings nie, vor allem weil das Mädchen so etwas noch nie getan hatte und die jüngste Erfahrung des Jungen bezüglich einer Bergbesteigung vor der Reise eher weniger schön verlief.
Die Südinsel Neuseelands verließen sie bei wunderschönem Wetter. So, wie es die meiste Zeit auf der Südinsel für sie gewesen war.
Die Nordinsel begrüßte sie hingegen mit Regen.
Es regnete und stürmte.
„Keine Sorge“, sprachen sie sich gut zu. „Ein wenig Regen hat noch niemandem geschadet!“ Und außerdem hatten sie extra drei Tage für die Besteigung eingeplant, falls irgendetwas schief gehen sollte.
Aber was sollte schon schief gehen? Sie waren mittlerweile bestens vorbereitet! Die drei Liter Wasser pro Person waren gekauft (die Marke hieß „Tongariro“), die Ausrüstung war bereit und sie freuten sich auf ein Abenteuer!

Aber es ging alles schief, was schief gehen konnte.
Der Bus stornierte ihre Fahrt einen Tag vorher aufgrund des schlechten Wetters. Sie buchten den gleichen Bus für einen Tag später – nur um eine weitere Stornierung zu bekommen.

So sehr sie es gewollt hatten, es sollte einfach nicht sein.
Das Mädchen und der Junge mussten erkennen, dass, wenn ihnen sogar ein Unternehmen, das auf Profit aus war, absagte, es vielleicht wirklich keine gute Idee war, auf eigene Faust das Abenteuer auf sich zu nehmen.
Schweren Herzens und mit einem zerbrochenen Traum (der erst ein paar Monate zuvor überhaupt zur Sprache gekommen war) akzeptierten sie ihr Schicksal.
(Aber Achtung, ganz gaben sie nicht auf!)
