Das Mädchen und der Junge wollten einmal in ihrem Leben im fernöstlichen Taiwan mit einer sehr langen, aber dennoch sehr schnellen Eisenbahn namens THSR fahren. Welcher Weg war dafür aber der sinnvollste? Sie entschieden sich für die Fahrt von Taichung nach Tainan. Die Fahrscheine konnten sie schon über ihre mobilen Endgeräte reservieren, aber abholen mussten sie sie vor Ort.
„Das wird bestimmt ewig dauern!“, meinte der Junge.
„Lass uns lieber eine Stunde früher am Bahnhof sein, um sicher zu gehen“, antwortete das Mädchen darauf.
Und so erreichten sie den Bahnhof knapp eine Stunde früher, gegen acht Uhr in der Früh.
Es gab keine Schlange, aber man konnte ja nicht wissen, wie der bürokratische Aufwand in einem so fernen Land mit völlig anderen Regeln war!
Der Junge hielt der Dame am Schalter die Buchungsnummer hin.
Sie nickte. „Ihre Pässe bitte.“
Der Junge und das Mädchen gaben ihr die Pässe.
Die Dame: „Hier bitte, ihre Tickets.“
Perplex und nicht einmal eine Minute später verließen sie den Schalter wieder, um sich auf den Weg zum Einstiegsort zu machen und dort zu warten.

Die Eisenbahn kam. Sie stiegen ein. Ihre Plätze waren für sie frei. Und sie machten es sich erstmal gemütlich.
Völlig vertieft in ihre Schreib-Arbeit, meinte der Junge plötzlich: „Hm, wir sollen um 9.17 Uhr ankommen.“
Das Mädchen sah auf die Uhr. „Es ist 9.22 Uhr.“
Der Junge sah sie an.
Das Mädchen blickte zurück.
Erneut sahen sie auf die Uhr.
Das Mädchen panisch: „Wir standen gerade!!“
Der Junge panisch: „Das hab ich gar nicht mitbekommen!!“
Ein Blick auf die mobilen Endgeräte verriet, dass sie tatsächlich an ihrem Ziel schon vorbeigefahren waren.
„Wir fahren einfach wieder zurück“, schlug das Mädchen vor. „Wir wurden nicht kontrolliert, wir werden es wohl auch in der nächsten Eisenbahn nicht.“
Aber erstmal fuhren sie weiter. Zum Glück nicht allzu lang, denn die nächste Station war eine Großstadt, die nicht allzu weit entfernt war. Im Grunde war es die Stadt, in die sie in drei Tagen sowieso fahren wollten. Leider aber eben erst in drei Tagen.
Dort angekommen, sah das Mädchen, dass die nächste Eisenbahn nach Tainan, wo sie ja an diesem Tag eigentlich hin wollten, in drei Minuten fuhr. „Los los!“, rief sie, während der Junge noch versuchte über sein mobiles Endgerät die richtige Eisenbahn zu finden.
Sie schafften es noch rechtzeitig und standen nun in einer Eisenbahn, für die sie keine Fahrscheine hatten. Das Gute war, dass in diesem fernen Land Taiwan die Fahrscheine kontrolliert wurden, wenn man den Bahnhof betritt und verlässt. Man konnte also in eine andere Richtung fahren, ohne dass es groß bemerkt wurde, solang man am angegebenen Ziel den Bahnhof verlässt.
In der Eisenbahn suchten sie sich einen unauffälligen Platz im nicht-reservierten Abteil. Sie wollten nicht dass sie sich auf bereits reservierte Plätze setzten und am Ende ihren Fahrschein zum Abgleich zeigen mussten.
Ein wenig zitterten sie schon. Was, wenn sie doch gerade jetzt kontrolliert wurden?
Aber nein. Alles lief gut. Sie erreichten die Station, zu der sie ursprünglich wollten. Sie konnten problemlos mit ihrem Ticket den Bahnhof verlassen.
So erreichten sie Tainan. Nun ging es nur noch darum, zu ihrer Unterkunft zu gelangen.
Die präferierte Wahl war der Bus H31, der direkt von dem Bahnhof fuhr, an dem sie angekommen waren. Und ja, er fuhr. Direkt vor ihren Augen davon.
So blieb ihnen die Alternative, vom THSR-Bahnhof zum Hauptbahnhof zu fahren und von dort einen anderen Bus zu nehmen. An jener Bushaltestelle angekommen, erkannten sie, dass der Bus, den sie benötigten, die Nr. 14, nur ein paar Meter weiter stand. Sie beeilten sich, doch als sie näher kamen, merkten sie, dass der Bus anfuhr. Alles Winken half nicht. Der Fahrer sah sie nicht. Oder wollte sie nicht sehen.
Seufzend setzten sie sich an die Haltestelle und blickten auf die Anzeige. Die nächste Nr. 14 kam in 64 Minuten. Das konnte doch nicht wahr sein.
Ihre mobilen Endgeräte halfen ihnen weiter. Sie wählten einen anderen Bus, der in nur 7 Minuten fuhr. Der Fußweg von der Ziel-Haltestelle zur Unterkunft war zwar länger, doch auf die Nr. 14 wollten sie auch nicht warten.
So saßen sie nach 7 Minuten also doch im Bus und fuhren ihrer Station entgegen. Sie erreichten sie, stiegen aus und erreichten sogar problemlos die Unterkunft.
Überraschenderweise standen genau zu diesem Zeitpunkt ihre Gastgeber am Eingang des Hochhauses. Sie waren gerade vom Frühstück zurückgekommen und endlich meinte das Schicksal es an diesem Tag einmal gut mit dem Jungen und dem Mädchen!
Sie lernten ihre Gastgeber kennen – sogar in der Muttersprache des Jungen und des Mädchens. Zumindest ein positiver Punkt, den die beiden an diesem Tag erlebten.

Da hatten der Junge und das Mädchen aber Glück – und nicht zum ersten Mal …
Und was wären sie ohne das mobile Endgerät!