Drücke "Enter", um den Text zu überspringen.

Wie die Hasen auf die Haseninsel kamen

Es klingt fast wie ein Es war einmal…-Artikel. Auf dem Weg von Kyoto nach Hiroshima haben wir einen kleinen Umweg gemacht, um auf die Haseninsel in der Nähe von Hiroshima zu fahren. Wir waren ein letztes Mal mit unseren Tagestickets unterwegs, deshalb war ein Zwischenstopp an sich kein Problem. Morgens sind wir allerdings recht früh los, weil die Fahrt zur Haseninsel schon sechs Stunden gekostet hat.

Mittags sind wir dann also dort angekommen. Die Insel heißt eigentlich „Okunoshima“ und liegt etwa 20min mit der Fähre vom Ufer entfernt zwischen Okayama und Hiroshima. Am Fährterminal konnten wir unsere Rucksäcke abgeben und dadurch mit kleinem Gepäck auf die Insel reisen.

Die Hasen leben recht frei auf der Insel und man wird gebeten, sie nicht in der Nähe des Hoteleingangs, auf der Straße oder beim Fährterminal zu füttern oder zu streicheln. Es wird Wert darauf gelegt, dass die Hasen auch frei bleiben.

Überall auf der Insel sind uns Hasen begegnet, die sich füttern und manchmal auch streicheln lassen. Es war allerdings sehr heiß, sodass es wahrscheinlich weniger waren als man normalerweise in anderen Monaten antrifft.

Als wir auf der Insel ankamen, hat sich uns dann schnell die Frage gestellt: Wie kamen die Hasen eigentlich auf die Insel?

Dafür gibt es zwei Theorien: Die eine ist, dass Kinder ein paar wenige Tiere dort ausgesetzt haben. Die andere ist um einiges spannender und führt mich auch direkt zum anderen Grund, weshalb die Insel besuchenswert ist: Sie sind Überbleibsel von Tests in einer Giftgasfabrik aus dem zweiten Weltkrieg.

Überall auf der Insel verteilt sind nämlich alte Gebäude dieser Fabrik, die schon 1929 errichtet wurde. Die Insel wurde zu dieser Zeit von den offiziellen Landkarten entfernt, um die Existenz der Fabrik geheim zu halten. Laut dem Genfer Abkommen von 1925 ist der Einsatz chemischer Waffen gegen Menschen verboten und auch Japan hatte dieses Abkommen unterzeichnet. Offiziell ist wohl nicht bestätigt, ob die dort produzierten Gase wirklich für Angriffe genutzt wurden, aber wir wissen ja, wie es um Kriegsgeschichten steht… Andere Quellen sagen, dass die Japaner im Krieg mit China über sieben Millionen Gasbomben eingesetzt haben. 80% davon stammen von Okunoshima.

Es gab ein kleines Museum, das wir besucht haben, in dem es vor allem um die schlechten Arbeitsbedingungen der Angestellten ging, die in den meisten Fällen dann selbst über kurz oder lang den Gasen zum Opfer gefallen sind. Die Fabrik wurde nach dem zweiten Weltkrieg geschlossen, die Gase so gut wie möglich entsorgt und die Gebäude sich selbst überlassen. An manchen Stellen konnte man noch die schwarzen Brandspuren sehen, wo damals unter Aufsicht der Amerikaner die großen Gift-Tanks mit Flammenwerfern vernichtet wurden.

Die alten Gebäude waren sehr eindrucksvoll und haben uns einen kleinen Schauer über den Rücken jagen lassen. Es waren, abgesehen von den Orten um das Hotel und den Hafen, auch nicht allzu viele Menschen unterwegs, weshalb alles noch einmal ein bisschen unheimlicher war als ohnehin schon.

Nachdem wir zwei bis drei Stunden auf der Insel verbracht haben, sind wir nochmal zwei Stunden Zug gefahren und dann endlich in Hiroshima angekommen.

1 Kommentar

  1. Carmen
    Carmen 24. August 2023

    Huch, das ist ja eine richtig gruselige Geschichte. Was für Ideen und Aktionen im Zeichen von Krieg, Zerstörung und Vernichtung von Leben! Überall auf der Welt. Eben auch ein anderes Gesicht der uns inzwischen eigentlich sympathischen Menschen im „Land des Lächelns“. Vielen Dank für diese Geschichtsstunde!
    Aber dennoch die kleinen Tierchen und vor allem eure Fotos m i t den Häschen sind wirklich richtig niedlich. Auch landschaftlich sehr schön – wie kann man eine Insel nur einfach von der Landkarte streichen?!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert