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Hinter Gittern in Alcatraz

In San Francisco ist eine der beliebtesten Attraktionen die Gefängnisinsel Alcatraz. Vicky hatte die Insel schon vor vielen Jahren einmal besichtigt, dennoch wollten wir uns die Insel zusammen anschauen. Wer auf die Insel will, muss dort keinen Eintritt bezahlen, allerdings gibt es nur eine Fähr-Gesellschaft, die auf der Insel anlegen darf. Kostet ca. 42 Euro pro Person für die Überfahrt. Wir hatten online die Tickets in den Tagen davor ein wenig beobachtet und es gab meistens auch noch kurzfristig genügend Plätze. Wir haben uns also mit der Entscheidung, was wir an welchem Tag unternehmen wollten, aufgrund des Wetters etwas Zeit gelassen. Als wir dann in San Francisco mittags die Fährtickets kaufen wollten, war der Schreck groß:
Es gab kein einziges Ticket mehr. Sowohl für den Abend, als auch für den folgenden Tag (unser letzter Tag in den USA) war alles ausverkauft. Zähneknirschend legten wir das Handy weg.
Am nächsten Morgen weckte mich Vicky mit den Worten: „Es gibt noch ein Ticket“. Leider aber eben nur genau eins. So kam es also, dass Vicky mich alleine ins Gefängnis schickte…

45 Minuten vor Abfahrt sollte man sich am Pier 33 einfinden. Dort angekommen stellte ich mich direkt in die relativ kurze Schlange und durfte dann sogar gleich auf das 30 Minuten frühere Schiff. Eine halbe Stunde später legte die Fähre auf Alcatraz an.

Die Insel liegt etwa zwei Kilometer von der Küste in der Bucht von San Francisco. Auf der Insel wurde erst ein Leuchtturm und kurz danach ein Fort gebaut, um die Bucht im Bürgerkrieg zu beschützen. Die ersten Gefangenen auf der Insel waren konföderierte Kriegsgefangene. Nachdem die Gebäude verfallen waren, errichtete das Militär bis 1911 ein großes Gefängnis als Stahlbetongebäude, das noch heute besichtigt werden kann. 1933 gab das Militär die Insel auf und ein Jahr später wurde sie zu einem Bundesgefängnis umfunktioniert. Durch seine Lage in starken Strömungen wurde die Insel für die besonders gefährlichen Straftäter bis 1963 als Hochsicherheitsgefängnis genutzt. Einige bekannte Gangster wie Al Capone und Machine Gun Kelly saßen hier hinter Gittern. 

In die Reihe dieser Gangster sollte ich mich nun also auch einreihen und mir das Gefängnis von innen anschauen. Ich stellte mich in einer Schlange an, um einen Audio-Guide für das Gefängnis zu bekommen. Mich ließ das Gefühl nicht los, dass hier viele Gefangene auch schon Schlange stehen mussten. Die Tour war sehr aufschlussreich und hat auch mit passenden Geräuschen die Gefängnis-Atmosphäre vermittelt. Es gab einiges zu sehen: vom Alltag der Häftlinge bis zu Ausbruchsversuchen. In einer kleinen Ausstellung gab es außerdem erschreckende Fakten über die aktuellen Entwicklungen der Gefangenenzahlen in den USA zu sehen: Im Jahr 1970 gab es 300.000 Gefangene in den USA, 2020 waren es ganze 2,1 Mio.!

Ich war froh das Gefängnis wieder verlassen zu dürfen und erkundete ein wenig das umliegende Gelände. Es gab viel Natur zu sehen und natürlich die Aussicht auf San Francisco. Zu viel Zeit wollte ich mir dabei aber auch nicht lassen, schließlich hatte ich mich anschließend mit Vicky am anderen Ende der Stadt verabredet. 

Als ich das Schiff zurück in die Freiheit besteigen durfte, fiel mir ein kleiner Stein vom Herzen. 

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