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500 Miles

Wer kennt das Lied „I’m Gonna Be (500 Miles)“ von The Proclaimers? Ich hatte das Lied mehr als einmal an diesen Tagen im Ohr.

Wir sind nämlich die North Coast 500 (NC500) gefahren, eine 500 Meilen lange Küstenstraße, die die nördliche Küste Schottlands entlangführt. Normalerweise nimmt man sich vier bis fünf Tage Zeit dafür, aber wir haben es in zwei Tagen gemacht. Ob das sinnvoll und empfehlenswert ist, sei mal dahingestellt. Ein wenig Zeitdruck war aber dann der Grund. Vor allem am Ende ist uns die Zeit davongelaufen und ein Tag mehr wäre definitiv nicht verkehrt gewesen, aber letztendlich war auch unser strammes Zweitageprogramm etwas, was wir genossen haben. Unsere Route sah so aus:

Am Morgen sind wir erstmal von Aberdeen nach Inverness gefahren, wo die NC500 regulär startet. Das Dunrobin Castle haben wir besucht und sind sogar reingegangen. (Achtung Spoiler: Es war das letzte Schloss, das wir in Schottland von innen gesehen haben, aber das war es wirklich wert.) Es war unglaublich schön und gut erhalten. Fast wie ein Märchenschloss.

Innen waren viele der 189 Räume für die Öffentlichkeit zugänglich und prächtig hergerichtet. In vielen Räumen standen auch Mitarbeiter herum, die mehr als froh waren, wenn sie ihre Informationen über das Schloss mit jemandem teilen konnten. Das Schloss gehört dem Earl of Sutherland und beruht eigentlich auf einem einzelnen Wohnturm des 13. Jahrhunderts. Diesen konnte man auch besichtigen und der Unterschied zu den anderen Räumen ist ganz klar durch seine Schlichtheit herausgestochen. Nach einigen Anbauten in der Zwischenzeit wurde das Schloss aber erst zwischen 1845 und 1851 zu dem ausgebaut, was es heute ist. 1872 blieb Queen Victoria übrigens sogar über Nacht dort!

In einem kleinen Museum wurden noch einige Gegenstände und Jagdtrophäen ausgestellt. Auch zur Falkenshow haben wir es noch geschafft, die dort im Garten stattgefunden hat.

Weiter ging es zum „Badbea Historic Clearance Village“. Dort sind man zwar nicht mehr allzu viel, aber an diesem Ort lebten 12 Familien mit etwa 80 Personen. Sie hatten eigentlich auf gutem Farmland gelebt, aber der Landbesitzer wollte dieses Land lieber für die Schafszucht nutzen. Also siedelte er die Familien Ende des 18. Jahrhunderts kurzerhand an eine hohe Klippenlandschaft um. Ein schöner Ort zum Leben war es nicht. Die Eltern mussten ihre Tiere und Kinder anbinden, um sie davor zu schützen, von den starken Winden über die Klippen geweht zu werden. Auch der Boden war nicht sehr fruchtbar und es gab nur ein Pferd für das komplette Dorf. 1911 verließen die letzten Siedler das Dorf.

An der nordöstlichsten Ecke des Festlandes haben wir noch ein paar weitere tolle Ecken besucht, zum Beispiel „Dunnet Head“, den nördlichsten Punkt des Festlandes, Duncansby Stacks und Whaligoe Steps.

Den Sonnenuntergang durften wir vom Auto aus betrachten, während wir an der Nordküste entlanggefahren sind, um in die Nähe der „Smoo Cave“ zu kommen, wo wir im Auto schlafen wollten.

Recht früh am Morgen sind wir runter in das gestiegen, was als Schottlands größte Höhle bezeichnet wird. Leider kommt man scheinbar ohne Tour nicht sehr weit, aber die Umgebung war es trotzdem schon wert hinzugehen.

Weiter ging es wieder Richtung Süden, wo uns das „Ardvreck Castle“ mit seinem spiegelklaren Wasser verzaubert hat.

Auf andere Weise hat uns ein Stück weiter „Hermit’s Castle“ verzaubert. Wir hatten uns die Bilder online nur ganz kurz angesehen. Eine Burg am Meer. Kein Problem, dachten wir, und haben uns auf die Suche gemacht. Es war aber schlussendlich überraschend schwer zu finden. Was wir dann vorgefunden haben, hat uns sehr zum Lachen gebracht.

Als letztes haben wir noch die Victoria Falls angesehen, bevor wir den letzten kleinen Rest der Runde auf den nächsten Tag verschoben haben. Wir hatten nämlich eine Couchsurfing-Unterkunft in Inverness und wollten dort nicht mitten in der Nacht aufkreuzen.

Die Nacht in Inverness war auf jeden Fall spannend. Die Familie hat ein autistisches Kind, mit dem wir auch ein wenig spielen konnten. Außerdem war noch eine weitere Reisende da, die dort geschlafen hat. Sie kam aus der Schweiz und wir haben uns ein wenig ausgetauscht. Besonders interessant war für uns dabei, dass sie von den sogenannten Highland Games erzählt hat. Das ist eine Art Sport- und Musikveranstaltung mit traditionell schottischem Hintergrund. Diese Spiele finden während der Sommermonate überall in den schottischen Highlands statt, hauptsächlich allerdings im Juli und August. Also haben wir mal das Internet um Rat gefragt und haben tatsächlich welche gefunden, zu denen wir (mal wieder mit ein bisschen Umweg) eine Woche später fahren konnten. Dazu folgt aber zu gegebener Zeit ein eigener Artikel.

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