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Wandern bei Kathmandu

Nachdem wir aus Bandipur wieder zurück nach Kathmandu gefahren waren, haben wir am nächsten Tag noch eine Vier-Tages-Wanderung gebucht – Start am folgenden Tag. Eigentlich hatten wir ursprünglich nur drei Tage eingeplant, aber weil wir noch einen Tag übrig hatten, haben wir ausgedehnt und uns einen neuen Vorschlag machen lassen. Alles zur Buchung findet ihr im folgenden Artikel: Wie bucht man Touren und Mehrtages-Trekking in Nepal?.

Unser Plan:
Tag 1: Wanderung nach Chisapani
Tag 2: Wanderung nach Nagarkot
Tag 3: Sonnenaufgang von einem Aussichtspunkt, Wanderung von Nagarkot runter ins Tal und Fahrt nach Namobuddha
Tag 4: Wanderung von Namobuddha ins Tal, Fahrt nach Bakthapur und Besichtigung, anschließend Fahrt zurück nach Kathmandu

Unseren Guide haben wir am nächsten Morgen kennengelernt. Er war jünger als wir, kam gerade von einer mehrwöchigen Wanderung zurück und seine Freundin kam gerade an diesem Tag nach Kathmandu. Nach den ersten paar Metern erzählte er uns auch, dass er gerade am Abend vorher ziemlich betrunken gewesen ist und diese und weitere solcher Vorkommnisse häuften sich dann auch während der Wanderung. Insgesamt war unser Guide ein netter Kerl, der uns auch viel über Nepal erzählt hat, aber allgemein hatten wir immer ein bisschen das Gefühl, dass er eigentlich gar nicht hier sein will und die Tour für ihn eher nervig ist.

Aber reden wir erstmal über die Wanderung! Der erste Tag war mal wieder sehr viel bergauf, aber das ist ja auch nur selbstverständlich, wenn man zu einem Aussichtspunkt möchte. Uns wurde außerdem auch gesagt, dass es – je nach Wetter – von Nagarkot aus möglich wäre, den Everest zu sehen. Unsere Hoffnungen waren allerdings sehr gering, weil das Wetter grundsätzlich zwar gut war, aber die Sicht durch den Dunst und eben auch die Wolken in der Regenzeit sehr begrenzt.

Der Weg nach Chisapani ging durch einen Nationalpark, der zwar sehr nah an Kathmandu ist, aber es fühlt sich überhaupt nicht danach an, weil es schon direkt in der Natur ist. Am späten Nachmittag sind wir dann in Chisapani angekommen, was eher ein Gebiet als ein Ort ist. Viele Häuser haben wir nicht gesehen. Dort saßen wir dann noch mit einer kleinen nepalischen Familie um ein Lagerfeuer und haben Erlebnisse ausgetauscht.

Der zweite Tag war nicht ganz so anstrengend, weil es nicht so viel bergauf ging. Natürlich haben wir den Everest nicht gesehen, aber das war nicht ganz so tragisch, weil die Natur trotzdem wirklich schön war. Wir mussten dann mit dem Taxi ein kleines Stück fahren, weil die Wanderregionen für die kurze Zeit, die wir hatten, dann doch ein wenig weiter auseinander lagen. Unser Guide hat uns dann gefragt, ob wir nicht den ganzen Weg mit dem Taxi fahren wollen oder die geplante 1 ½ stündige Wanderung zum Hotel doch machen wollen. Es wäre ja so heiß und die Straßen nicht gut. Wir haben uns aber für die Wanderung entschieden, trotz der Hitze. Schließlich war es ja das, weshalb wir überhaupt da waren! Also ging es noch ein Stück zu Fuß zum Hotel hoch.

Das Hotel, in dem wir geschlafen haben, war das Beste, das wir in Nepal hatten! Das Zimmer war riesig, der Ausblick genial (Obwohl wir sagen müssen, dass wir auf den Treks aufgrund der wenigen Touristen in der Regenzeit so ziemlich immer die besten Zimmer der Unterkunft bekommen haben.), und es gab sogar Toilettenpapier!! Gerade als wir ins Bett wollten, hat unser Guide noch gesagt, dass es doch besser wäre, wenn wir uns den Sonnenaufgang um 5 Uhr morgens einfach vom Hoteldach aus ansehen (ohne ihn) und nicht wie geplant noch einen kurzen Weg zum Aussichtspunkt wandern würden (mit ihm). Wir konnten leider nicht einschätzen, ob der Aussichtspunkt die Wanderung morgens um diese Zeit wert wäre und haben zugestimmt.

Der Sonnenaufgang vom Hotel war bedingt toll. Wir waren mit all den Hotels um uns herum nicht wirklich so in der Natur wie wir es auf Poon Hill gewesen waren. Das hat dann auch wirklich die Atmosphäre ausgemacht. Aber man muss fairer Weise auch sagen, dass das Wetter nicht wirklich toll war und sich die Wanderung deshalb wahrscheinlich auch nicht gelohnt hat. Hinter den ganzen Wolken konnten wir keine Sonne entdecken.

Etwa vier Stunden sind wir dann nach dem Frühstück wieder runtergewandert. Nach einer Stunde haben uns auf dem Weg zwei Hunde Gesellschaft geleistet, die wir Floppy (wegen ihrer wackelnden Ohren) und Flash genannt haben. Eigentlich dachten wir, sie würden nach zehn Minuten wieder aufgeben und zurück nach Hause laufen, aber tatsächlich haben sie uns ganze drei Stunden auf der Strecke begleitet, bis wir uns von ihnen verabschieden mussten, weil wir in den Bus gestiegen sind.

Auf dem Weg nach unten hatten wir tolle Aussichten, zum Beispiel auf die vielen Terrassen, auf denen unter anderem Mais angebaut wurde, aber auch auf die vielen kleinen Bergdörfer.

Am Nachmittag ging es dann weiter nach Namobuddha (auch Thrangu Tashi Yangtse Kloster genannt), einer Klosteranlage auf einem Berggipfel. Das tibetische Kloster liegt ca. 40km von Kathmandu entfernt und ist eine der heiligsten buddhistischen Stätten in Nepal. Aktuell leben dort wohl rund 250 Mönche und es gibt auch eine Schule für den Nachwuchs. Bei unserer allerersten Tour in Kathmandu haben wir übrigens von unserem Stadtführer erfahren, dass der mittlere Sohn einer buddhistischen Familie meistens ins Kloster geschickt wird, um Mönch zu werden. Dadurch haben die Klöster wohl eher weniger Probleme mit Nachwuchs.

Der Ort war jedenfalls sehr interessant – vor allem von der Atmosphäre her. Ich bin am Abend, als es dunkel war, nochmal allein für eine halbe Stunde von unserem Hotel aus hochgegangen, um die Stille zu genießen.

Wir waren auch am Morgen nochmal oben, um am Gebet teilzunehmen. Eigentlich findet jeden Morgen immer eine stille Meditation statt, zu der wir gehen wollten. Diese findet aber aktuell nicht statt, da ein sehr angesehener tibetischer Mönch gestorben ist und seine sterblichen Überreste aktuell im Kloster sind. Dadurch hat das Kloster viele Pilgernde und für über einen Monat gibt es Gebete zu diesem Zeitpunkt, an dem eigentlich die stille Meditation stattfinden sollte.
Wir waren aber doch ganz froh, das auch erlebt zu haben, denn es war schon sehr beeindruckend, wie über 100 Mönche und Nonnen gleichzeitig beten, ihre Handbewegungen machen, Glöckchen klingeln und so weiter. Einige Zusätzliche waren auch noch dafür zuständig, dass alle Wasser und Tee hatten und für manche wurden sogar Geldscheine verteilt!
Wir haben uns dort auf die „Besucherplätze“ gesetzt und etwa 30-45min alles auf uns wirken lassen. Als wir einmal die Augen wieder aufgemacht haben, standen sogar vor uns auf dem Boden Tassen mit heißem Milchtee.
Es war ein wirklich beeindruckendes Erlebnis und wir sind froh, dass wir unsere Drei-Tages-Tour um einen Tag verlängert haben, denn es wäre dieser Ort gewesen, den wir sonst nicht besucht hätten. Fotos durfte man im Tempel leider nicht machen. Wir haben aber ein paar aktuelle Bilder der betenden Mönche auf Facebook gefunden – wenn man sich durchklickt, findet man auch die Räumlichkeiten wo wir saßen. Bei uns sah es eigentlich genauso aus wie auf den Bildern:

Ein wenig ärgern mussten wir uns dann allerdings anschließend, als wir aus dem Hotel ausgecheckt sind und erfahren haben, dass unser Guide ein Taxi bestellt hat, statt die geplante Wanderung mit uns zu machen. Es sei so heiß und die Straßen schlecht wegen der Abgase und außerdem wären wir doch dann viel zu geschafft, um am nächsten Tag nach Taiwan zu fliegen. Wir hatten aber von vorne herein die ganze Tour gebucht, wissend, dass es anstrengend werden würde. Wir waren uns sicher, dass wir das hinbekommen würden. Deshalb wollten wir auch den Weg von Namobuddha runterlaufen. Letztendlich war das Taxi aber schon bestellt und wir konnten nicht mehr viel sagen, also sind wir mit dem Taxi nach Bhaktapur gefahren. Möglicherweise waren wir auch im Zeitdruck, aber das hatte er dann auch mitzuverschulden, denn bevor wir zum Gebet sind, hatten wir uns zum Frühstück verabredet. Als er nach einer halben Stunde immer noch nicht da war, haben wir ihm geschrieben und erst dann er ist letztendlich frühstücken gekommen. Eine Entschuldigung gab es nicht.

Bhaktapur ist eine von Kathmandus drei Königsstädten und hatte vor rund zehn Jahren etwa 82.000 Einwohner. Es wird sehr viel Wert auf die Erhaltung der Altstadt gelegt (sie ist Teil des UNESCO Weltkulturerbes), dadurch kostet die Stadt auch Eintritt. Wir haben dort sehr viele alte Tempel gesehen und auch die Häuser an sich waren spannend zu betrachten. Außerdem gab es einen Töpfermarkt und wir haben traditionelles Eis mit Kokosgeschmack (Khuwa Kulfi) und Joghurt aus Büffelmilch (King Curd/Juju Dhau) gegessen.

Nach Bhaktapur war unsere Tour dann auch zu Ende und wir sind zurück nach Kathmandu gefahren.

Vor allem bei dieser Tour ist uns aufgefallen, wie sehr die ganze Stimmung vom Guide abhängt. Die Frage ist auch, ob man wirklich einen Guide braucht, der die Strecke seit sechs Jahren nicht mehr gegangen ist, ständig nach dem Weg fragen muss, jeden Abend trinkt und/oder (mehr als nur Zigaretten) raucht und das auch nicht versteckt und zum Frühstück von uns geweckt werden muss, weil er eine halbe Stunde nach der verabredeten Zeit noch nicht aufgetaucht war.

Es tut uns auch ein wenig Leid für die Person, die uns die Tour zusammengestellt und verkauft hat. Er war sehr professionell und freundlich. Gerne wären wir mit ihm auf Wanderung gegangen. Wir hatten anschließend mit dem Verkäufer der Tour über unsere Probleme gesprochen. Er war sehr verständnisvoll und hat uns sogar eine Kompensation angeboten. Trotz all unserer Probleme war es uns die Tour dennoch auf jeden Fall wert, denn wir haben viel gesehen und erlebt!

Hier sehr ihr noch unsere Schrittzahl an den einzelnen Tagen:

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