Zwischen der Zeremonie und dem Laternenritual in Hiroshima hatten wir einige Stunden Zeit. Wir haben uns dazu entschieden, zusammen nach Iwakuni zu fahren.
Ich war schon dort gewesen, als ich 2014 in Hiroshima gearbeitet habe, allerdings war mein Weg damals ein wenig anders. Ich hatte nämlich kurzentschlossen die 100 Kilometer an einem Tag mit dem Fahrrad zurückgelegt. Es war eher eine spontane Aktion und mein Körper war definitiv nicht darauf vorbereitet gewesen – ebenso wenig wie das zu kleine Fahrrad, das mich dorthin gebracht hat –, aber die Gesichter von Yumi und Yoko, als ich wieder im Hostel angekommen war, waren es wert gewesen. Die beiden erinnern sich auch heute noch gern an diese Geschichte und erwähnen sie jedes Mal, wenn sie mich sehen.

Diesmal haben wir allerdings die Bahn genommen, mit der es etwa eine Stunde dauert.
Iwakuni hat eine sehr spezielle Holzbrücke. Sie wurde 1673 vervollständigt und stand bis 1950. Leider zerstörte ein Typhoon die Brücke in diesem Jahr. Es dauerte drei Jahre, bis sie wieder stand. Das ist eigentlich die Hauptattraktion des Ortes. Hinter der Brücke gibt es aber noch einen schönen Park, in dem aktuell auch weiße Schlangen gezeigt werden, was wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten.








Bei meinem „Fahrradausflug“ vor neun Jahren habe ich es zeitlich nicht geschafft, die Iwakuni-Burg zu besuchen. Deshalb sind wir aber dann diesmal hin.
Anders als die meisten Burgen in Japan steht diese hoch oben auf einem Hügel. Normalerweise stehen Burgen in der Stadt oder am Stadtrand auf einer kleinen Erhöhung – wenn sie überhaupt erhöht sind. Deshalb ist diese Burg ein wenig besonders und dadurch hatten wir von dieser Burg aus auch einen tollen Ausblick auf die Stadt und die Brücke.





An diesem Tag waren wir zum Mittag Shabu-Shabu-Essen. Das ist ein wenig wie Fleischfondue in Europa. Wir haben es als All-you-can-eat gemacht und hatten deshalb Fleisch, Gemüse, Salat und Nachtisch in Hülle und Fülle.

Und wenn wir schon gerade beim Essen sind: Am nächsten Tag gab es noch Yakiniku. Dabei wird auf einem Grill am Tisch verschiedenes Fleisch gebraten. Auch das gab es als All-you-can-eat.



Nach dem Essen sind wir noch zu unserem alten Hostel gegangen und haben uns angesehen, wie es jetzt aussieht. Allerdings ist es nicht wiederzuerkennen, denn es wurde vor ein paar Jahren komplett umgebaut und hat nichts von seinem alten Aussehen – weder außen noch, soweit wir sehen konnten, von innen.

Nachdem wir uns von Yoko verabschiedet haben, die mit einem „Seishun Juuhachi Kippu“-Tagesticket ihre Rückfahrt nach Kobe antreten musste, sind haben wir mit Yumi die rekonstruierte Burg von Hiroshima besucht. Durch die Atombombe ist an dieser Burg natürlich kaum noch etwas original, aber es sieht dennoch hübsch aus.

Anschließend sind wir noch zu meinem anderen Hostel gegangen, in dem ich damals auch noch gearbeitet habe. Ich hatte mich dort nicht angekündigt, weil ich nicht gewusst hatte, ob wir Zeit dafür haben würden, aber von der anderen Straßenseite habe ich schon Mako, die Besitzerin, vor dem Eingang gesehen. Ich habe ihre Namen gerufen und sie hat mich in dem Moment erkannt, als sie aufgesehen hat, obwohl wir seit neun Jahren keinen wirklichen Kontakt mehr hatten und ich nur rund sechs Wochen dort gearbeitet habe. Vielleicht liegt es auch ein bisschen daran, dass ich wirklich ganz am Anfang dort war. Sie hatte das Hostel einen Monat, bevor ich dort zu arbeiten angefangen habe, eröffnet.
Mako hat uns hereingebeten und wir haben einen Kaffee zusammen getrunken. Auch hat sie mir das Hostel gezeigt und im Gegensatz zu dem, in dem ich Yumi und Yoko damals kennengelernt habe, hat sich nicht allzu viel verändert. Es hat immer noch den gleichen traditionellen Charme. Mittlerweile hat Mako eine Tochter im Kindergartenalter, die unsere volle Aufmerksamkeit wollte. Mako arbeitet aber immer noch sehr viel im Hostel.

Leider mussten wir uns nun aber auch von Yumi verabschieden. Allerdings sind wir sicher, dass wir uns alle irgendwann und irgendwie wiedersehen werden!

Ja, das treue Pinky …
Ein wirklich hübsches Städtchen, rings um den Fluss eingebettet. Und die Brücke sieht wirklich beeindruckend aus!
Aber sag mal Chris, kannst du die vielen japanischen Burgen und Schreine noch den entsprechenden Orten zuordnen? Schön und einmalig sind sie nämlich (fast) alle. Die meisten Freundinnen hast du ja inzwischen auch kenngelernt und dich hoffentlich inmitten aller auch wohlgefühlt …
Ja, die Zuordnung ist manchmal eine Herausforderung. Das geht dann meistens eher über den Zeitpunkt der Aufnahme.
Mit den japanischen Freundinnen hat es immer irgendwie geklappt. Ein paar Worte können die meisten dann doch auf Englisch. Ansonsten nicken und lächeln – notfalls springt Vicky ein.