Drücke "Enter", um den Text zu überspringen.

Nepal im Rückblick

Nepal war sehr spannend für uns, weil es einen sehr starken Kontrast zwischen den Großstädten wie Kathmandu hat und der Natur, die dort nur um die Ecke wartet. Die Kultur ist außerdem nochmal sehr unterschiedlich zu uns, weshalb unser Rückblick zu Nepal auch ein wenig länger wird als der zu Schottland.

Erstmal ist uns aufgefallen: Nicht alles wo Tourist draufsteht, hat auch Touristen drin. Auf vielen Bussen und Kleinbussen steht groß „Tourist“, aber was das nun genau bedeuten soll ist uns nicht ganz klar gewesen. Wenn eine Frau mit zwei Hühnerkäfigen (ja, mit Hühnern drin!) im Bus sitzt, dann fragen wir uns, was in Nepal alles zu „Tourist“ zählt. Wir haben meist höchstens 1-2 andere zumindest ausländisch aussehende Menschen in unseren Bussen gesehen. Natürlich können wir nicht ganz sagen, ob nicht auch welche aus den umliegenden Ländern dabei waren oder eben auch der Inlandstourismus dazu zählt.
In den Fernbussen wurde übrigens meist für einen Teil der Strecke völlig unvermittelt laut nepalische/indische Musik über die Bus-Lautsprecher gespielt. Nach einiger Zeit war das etwas anstrengend für uns…

Baustellen sind kaum zu zählen, so viele sind es. Sowohl in wie auch außerhalb der Stadt. Die Straße von Kathmandu nach Pokhara, wo praktisch alle Touristen entlang fahren müssen, wird aktuell modernisiert und verbreitert. Deshalb haben wir einige Stunden länger für den Weg gebraucht als ohnehin schon angesetzt gewesen war. Und es sah nicht danach aus als würde das in naher Zukunft beendet sein.
Auch mit einem Taxi wären wir sicherlich nicht schneller gewesen. Einmal standen wir eine Stunde einfach nur auf der Straße im Stau ohne zu wissen, warum es nicht weitergeht. Und dann durften wir fahren und alles lief wieder. Typische Taxis in Nepal sind übrigens kleine Suzukis. Viele Busse haben Aufschriften („Buddha was born in Nepal“) oder Nike, Adidas und Puma Logos aufgedruckt.

Die Städte sind meist staubig und voller Smog. Uns ist dadurch auch aufgefallen: Man geht nicht nach Nepal für die Städte. Es ist sehr mühsam, sich darin fortzubewegen, weil es selten Bürgersteige gibt und alles ein einziger Staubhaufen ist. Außerdem wird überall gebaut. Einmal sind wir durch eine Fußgängerzone gelaufen, in der mit jedem Schritt der Teer an unseren Schuhen festgeklebt ist.
Wir wollen damit nicht sagen, dass Kathmandu oder Pokhara keinen Besuch wert war! Aber ich erinnere mich daran, wie wir ca. fünf Tage für Kathmandu am Ende eingeplant hatten und nachdem wir die ersten zwei Tage ganz am Anfang da gewesen waren, haben wir beschlossen, in dieser Zeit auf jeden Fall nochmal eine Mehrtagestour zu machen. Denn nochmal fünf Tage in Kathmandu haben wir wirklich nicht gebraucht.
Vor allem die Flüsse waren unglaublich dreckig und man wollte sich wegen des Geruchs dort auch gar nicht aufhalten. Verstorbene werden verbrannt und ihre Asche in Flüsse verstreut. Zwar sind dafür einzelne spezielle Flüsse vorgesehen, aber den Gedanken konnten wir nicht ganz abschütteln.

Lebensmittel waren nicht ganz so einfach zu bekommen, obwohl es zumindest kleine Supermärkte gibt. Aber nichts ist darauf ausgelegt, dass man sich mal selbst ein Brötchen schmiert oder fertige abgepackte Sachen kauft. Wir haben uns, wenn wir etwas zum Mitnehmen gebraucht haben, etwas am Straßenstand gekauft. Das waren meistens frittierte Sachen, die zwar super lecker waren, aber auch sehr fettig und einen starken Geruch verströmt haben, sodass es nicht gerade das beste Essen zum Mitnehmen war.

Die Fernbusse haben in der Regel an einer Art „Rasthof“ gehalten, wo es ein Buffet gab und man 20min Zeit hatte, sich den Teller vollzuladen. Für umgerechnet vier Euro, was nicht nach viel klingt, war es aber im Vergleich zum restlichen Essen in Nepal recht teuer.
Egal wo wir in Nepal waren, zwei Dinge gab es mit ein paar wenigen Ausnahmen überall: Momo und Dal Bhat. Momo sind ähnlich wie kleine Maultaschen (Dumplings) und haben verschiedene Füllungen wie Hühnchen, Wasserbüffel oder nur Gemüse. Dal Bhat ist Reis mit verschiedenen Gemüsesorten, manchmal auch Fleisch. Wir haben gehört und auch hautnah mitbekommen, dass Nepaler sowohl zu Mittag als auch zu Abend Dal Bhat essen. Es ist warm, einfach zuzubereiten und günstig.
Es gibt wohl viele Vegetarier und Veganer in Nepal, weshalb das Gericht noch zusätzlich beliebt ist. Viele Menschen essen außerdem aus religiösen Gründen kein Rind. Kuhmilch trinken sie aber. Die typischen Rinder in Nepal sind Wasserbüffel. Büffelfleisch findet sich daher oft auch auf der Speisekarte.
In den Bergdörfern haben wir sehr oft gesehen, dass die Restaurants mit lokalen Zutaten und organischem Anbau werben. In der Regel bauen diese Restaurants ihr Gemüse nämlich selbst an und kaufen den Rest in der Nachbarschaft ein.

Spannend fanden wir außerdem, dass in Nepal der Samstag als Feiertag gilt und viele Geschäfte da zu haben. Die Zeitrechnung des nepalischen Kalenders begann mit der Krönung von König Bikramaditya 57 v. Chr.. Kurz gesagt hat er alle Schulden auf 0 gesetzt und damit eine neue Zeitrechnung gestartet. Das heißt, aktuell ist das Jahr 2080 in Nepal.
Aber nicht nur das ist anders. Nepal ist erst seit 2008 eine demokratische Republik. Davor gab es einen König, der aber abgesetzt wurde. Außerdem gab es 2021 eine Verfassungskrise, woraufhin einige neue Gesetze verabschiedet wurden. Es gibt nicht wirklich öffentliche Unruhen im Land und wir haben uns generell sicher gefühlt, aber man denkt schon darüber nach, wie viel in Nepal in den letzten 15 Jahren im Umbruch war.
Das Kastensystem existiert heute immer noch. Von verschiedenen Guides wurde uns erzählt, wie schwierig es für sie wäre, in eine andere Kaste einzuheiraten. Wir haben aber auch Menschen getroffen, die genau das getan haben. Zwar waren ihre Eltern nicht komplett dafür, aber sie haben die Entscheidungen akzeptiert.

Der Einfluss aus Indien generell ist recht groß, zum Beispiel was Sprache, Religion, Essen, Produkte (besonders Autos) und so weiter angeht. Chinesische Einflüsse haben wir kaum wahrgenommen.
Buddhismus ist aber auch wichtig, so hängen sehr oft fünffarbige Fahnen, die die fünf Elemente (Feuer, Wasser, Luft, Erde, Himmel) repräsentieren.

Spannend fanden wir außerdem die Art, wie Nepaler Dinge tragen. Schweres wird mit einem Band um die Stirn auf dem Rücken befestigt.

Ein paar weitere Kleinigkeiten, die wir zum Thema Reisen in Nepal noch erzählen wollen:

Fremde Menschen (oft Inder, aber nicht nur) wollten ständig mit uns Fotos machen. Chris und ich kannten das schon aus früheren Reisen, deshalb waren wir diesmal ein bisschen besser darauf eingestellt und haben es hingenommen.
Die Menschen sind generell sehr offen – nicht nur beim Fotos machen. Vor allem kleine nepalische Kinder und auch Jugendliche haben uns immer wieder gewunken und uns sogar öfters auf Englisch angesprochen.

Steckdosen sind oft mit unseren deutschen Steckern kompatibel, sodass wir meist nicht einmal Adapter gebraucht haben. Allerdings funktionieren die natürlich auch nicht, wenn es Stromausfall gibt. Und das ist in Kathmandu und Bandipur vorgekommen.
Heißes Wasser gab es so gut wie nie. Was an sich nicht so schlimm war, weil es sowieso meist sehr heiß war, aber wenn man auf kalten 3000 Metern ist und völlig verschwitzt vom Wandern, wünscht man sich irgendwie doch einfach nur eine heiße Dusche.
Bei Hotels ist uns aufgefallen, dass wir öfter gefragt wurden, ob es denn wirklich in Ordnung sei, wenn es nur ein Doppelbett gibt. Es wird also sehr darauf geachtet, dass unverheiratete Paare die Möglichkeit haben, in einem Zimmer, aber in zwei getrennten Betten (die dann meist Doppelbetten sind) zu schlafen. Dafür gab es aber fast überall nur ein Handtuch pro Zimmer.

Mobiles Internet über SIM-Karten ist im Vergleich zu vielen anderen Ländern auf unserer Reise recht günstig! Wir haben uns direkt am Flughafen jeder eine für sechs Euro gekauft, die 28 Tage gültig war und 20 GB Datenvolumen hatte.

Und wo wir schon bei den Kosten sind… Unsere Hochrechnung:

Nepal war mit Abstand in jeder einzelnen Kategorie, in die wir unterteilen, das billigste Land für uns. Für Lebensmittel haben wir rund 4,90 Euro pro Tag und Person ausgegeben. Und das, obwohl wir an den insgesamt sieben Tagen unserer Trekkingtouren fast immer morgens, mittags und abends Essen waren.

Der Transport hat uns sage und schreibe nur 2,70 Euro pro Person und Tag gekostet. Inkludiert sind mehrere Taxifahrten, fünf Mal Fernbusfahren durch das Land und einzelne kurze Busfahrten im Nahverkehr.

Die Unterkünfte, die wir hatten, waren immer Doppelzimmer (meist mit noch einem zusätzlichem Bett). Nicht einberechnet haben wir die Übernachtungen, die wir im Rahmen der Trekkingtouren gezahlt haben, weil diese ja in der Tour inkludiert waren und wir nicht einmal wissen, wie viel sie gekostet haben. Pro Nacht und Person waren es also für die regulär von uns gebuchten Unterkünfte im Schnitt 3,90 Euro. Man muss aber dazu sagen, dass wir nicht gerade die besten Hotels hatten, auch wenn wir so gut wie immer ein eigenes Badezimmer hatten.

Alles in allem kommen wir auf 33,80 Euro pro Person und Tag in Nepal! Das billigste Land unserer Reise (bis jetzt!).

Aber nicht nur deshalb gehört Nepal zu einem der Länder, die wir empfehlen können. Vor allem für Naturliebhaber hat das Land viel zu bieten. Aber man muss sich Zeit nehmen. Es gab beispielsweise viele Treks, die zwei Wochen gingen. Das war uns allerdings zu lang und wir waren dafür auch weder körperlich noch Equipment-technisch vorbereitet.
Schade war, dass wir letztendlich wegen des Wetters den Mount Everest nicht sehen konnten. Aber dafür haben wir ein wundervolles Abschiedsgeschenk bekommen, denn die Berge haben sich durch die Wolken geschoben, als wir gerade mit dem Flugzeug von Kathmandu kommend daran vorbeigeflogen sind. Mit diesem eindrucksvollen Blick auf den Everest und die umliegenden Berge haben wir uns von Nepal verabschiedet und sind gen Osten geflogen.

Land / durchschn. Ausgaben
pro Tag und Person
Transport (ohne Hinflug)Unterkunft
(nur bezahlte Nächte)
Unterkunft
(inkl. kostenlosen
Übernachtungen)
LebensmittelGesamt (ohne Flug)
Südkorea3,15€17,00€17,00€8,00€40,50€
Japan12,50€18,00€18,00€8,00€55,20€
Neuseeland41,00€18,00€14,00€6,40€87,90€
Hawaii35,70€50,00€50,00€11,10€123,70€
Mexiko17,30€13,40€13,40€6,80€55,10€
USA28,90€30,60€17,20€10,30€70,50€
Costa Rica3,00€16,60€16,60€8,20€57,40€
Kuba6,80€6,40€6,40€7,13€35,60€
Schottland29,07€32,80€12,30€8,25€62,98€
Nepal2,70€3,90€3,90€4,90€33,80€

1 Kommentar

  1. Carmen
    Carmen 13. Juli 2023

    Da kann ich nur sagen „wow“. Eure Berichte aus Nepal waren für mich die beeindruckendsten der gesamten Reise! Viele Bemerkungen ließen mich schmunzeln.
    Spannend die großen Gegensätze in jeglicher Beziehung: Farbenvielfalt überall, Einfachheit, aber auch vernünftige Hotels, Lebensprimitivität (und die Stromleitungen kommen mir sehr bekannt vor …), Dreck einerseits aber andererseits die Darstellung der Religion (die Tempelanlagen sind gigantisch) – es lässt sich einfach nicht in Worte fassen. Natürlich seid ihr in Orte gekommen, die man als geführter Tourist sicher nicht so zu sehen bekommt. Die vielen Baustellen sind sicher auch eine Folge des verheerenden Erdbebens bzw. der Überschwemmungen in den letzten Jahren.

    Die Menschen scheinen Ausländer sehr willkommen zu heißen.
    Bedeutet: Das Land bestätigt die Lust auf einen Besuch …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert