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Es war einmal… der Kampf gegen die Hitze

Da waren sie nun. Ganz frisch hatten sie sich mit ihrem neuen Freund Jerry Gonzales im sonnig warmen Florida zusammengeschlossen, um tausende von Kilometer hinter sich zu bringen. Bereits Benjamin hatte sie dabei auf der anderen Seite der Welt gut unterstützt. Nun konnte sich Jerry beweisen. Doch auch Jerry konnte nicht alles bieten, was das Mädchen und der Junge gerne gehabt hätten. So wünschten sie sich beispielsweise einen Ort, wo sie ihre Nahrung den Tag und vielleicht sogar eine Nacht über kühl lagern konnten, denn die Temperaturen in Florida erreichten mitunter an die 30°C. Damals, auf der anderen Seite der Welt, hatten sie eine sehr kostengünstige Tasche gefunden, die zumindest die moderate Wärme Neuseelands abhalten konnte. Sie hatten diese damals an eine bedürftigere Person weitergegeben und mussten daher nun eine neue Anschaffung tätigen. „Kein Problem!“, meinten der Junge und das Mädchen. Letztes Mal hatten sie die Tasche ja auch einfach in einem Markt ihres Vertrauens gekauft und waren damit gut ausgekommen. Wieso sollte es auf dem großen Festland Amerikas anders sein?

Doch sie sollten sich irren.

Ihr erster Weg führte sie zu einem der größten Einkaufsläden, die das ferne Land zu bieten hatte: Walmart. Sie kannten ihn bereits von einer Insel namens Hawaii und waren dort positiv überrascht von der Vielfalt der Waren gewesen. Doch weder in der Kühlabteilung noch an der Kasse fand sich etwas Sinnvolles. „Kein Problem!“, dachten sie wieder. Sie brauchten die Tasche ja noch nicht direkt an diesem Tag. Vielleicht hatte ein anderer, größerer Walmart das, was sie benötigten.

Sie suchten sich also einen „Superstore“, parkten das Auto in der Sonne und kauften dort erstmal für den Alltag ein. Eine kühl haltende Tasche würden sie schon finden. Ihre Einkaufsliste war lang und mit dem Einkaufswagen zogen sie deshalb gezielt durch die Regale. Letztendlich lagen an die zwanzig Produkte in ihrem Wagen, die sie unter großem Zeitaufwand zusammengesucht hatten. Der Einkaufswagen wurde nahe der Kasse abgestellt. Schließlich fehlte nur noch die kühl haltende Tasche. Also zogen der Junge und das Mädchen getrennt los, um sie zu suchen. Dabei verloren sie sich natürlich aus den Augen und es dauerte viele Minuten, bis sie sich endlich wiederfanden – und tatsächlich beide von Erfolgserlebnissen berichten konnten (die sich allerdings im Rahmen hielten). Während das Mädchen in der Picknick-Abteilung (viel zu kleine) kühl haltende Taschen gefunden hatte, hatte der Junge in der Angelabteilung kühl haltende, feste Boxen gefunden. Beides hätte ihnen weitergeholfen – wäre es nicht so teuer gewesen. Professionellere Kühltaschen und Kühlboxen reihten die Regale. Sie machten sogar Fotografien für einen Größen- und Preisvergleich für kommende Einkaufsläden. Der Junge und das Mädchen waren einfach noch nicht verzweifelt genug, sich der teuren Taschen oder Boxen zu bedienen. Also entschieden sie, erst einmal in anderen Einkaufsläden weiterzusehen und zu ihrem Einkaufswagen zurückzukehren, um zu zahlen und weiterzufahren.

Nur… wo war der Einkaufswagen? Sie hatten ihn doch ganz sicher zwischen diesen beiden Regalen abgestellt! Die Suche war vergebens. Weder an dem Ort, den sie ganz sicher wiedererkannten, noch in der sonstigen Umgebung fanden sie die rund zwanzig Produkte, die sie in mühevoller Kleinarbeit zusammengesucht hatten. Was blieb ihnen also anderes übrig, als alle Produkte erneut zusammenzusuchen. Schweren Herzens und seufzend machten sie sich also erneut auf den Weg durch die Regale. Nachdem sie bezahlt hatten, sahen sie auf dem Weg zum Ausgang am Service-Schalter eine große Anzahl von herrenlosen, vollen Einkaufswägen, die offenbar von Mitarbeitern wieder in die Regale zurückgeräumt wurden. Mit betretener Miene liefen sie schnell daran vorbei, denn sie konnten die Vorstellung nicht ertragen, dass auch ihr ursprünglicher Wagen dort gerade stehen könnte.

Der erste Tag verstrich. Die glühende Sonne ging langsam unter. Die beiden merkten die Müdigkeit in ihren Knochen.
„Kein Problem!“, machten sie sich Mut und verschoben die Suche auf den nächsten Tag.

Doch es sollte einfach nicht sein. Es folgten weitere Zwischenstopps und den verschiedensten Verkaufsständen und Warenhäusern. Ob in einem kleinen Privatladen oder einer großen Kette – es wurde immer aussichtsloser.
Sogar in einem deutschen Aldi suchten sie, sowie dem Bau- und Hobbymarkt Home Depot.

So zog ein weiterer Tag ins Land ohne Aussicht auf Kühlung. Die Sonne des Sunshine State strahlte erbarmungslos auf Essen und Getränke, die sie in ihrem Gefährt untergebracht hatten. Es wurde zu einem Wettlauf gegen die Haltbarkeit. So langsam wurde aus „Kein Problem“ doch ein Problem.

Mit betrübtem Gemüt krochen sie unter ihre Bettdecken. Wie sollten das nur weitergehen?! Sie hatten doch bereits Dinge gekauft! Während sie also auch am folgenden Tag im Einkaufsladen nach einer Kühlung suchten, schmolz im Auto unter der brütenden Sonne ihr Essen hinfort.
Der Tag sollte sie von Miami in die Nähe von Orlando führen. Da hatte der Junge eine Idee. Wieso sollte man nicht sein mobiles Endgerät zurate ziehen und mit der lokalen Bevölkerung kommunizieren, um eine Lösung zu finden? Sicher gab es irgendwo in der Nähe jemanden, der eine kühl haltende Tasche zu einem akzeptablen Preis verkaufen wollte. Doch wann immer sie mit jemandem in Kommunikation traten, war das begehrte Stück bereits vergeben. Sie suchten mittlerweile nicht einmal mehr nach nur einer Tasche, sondern gaben sich auch mit einer großen Box zufrieden. Doch nichts. Alles war bereits vergeben.

Erneut sank die Sonne unter den Horizont. Ein weiterer Tag ohne kühl haltende Tasche war verstrichen. Und so zogen sie ihr letztes Ass aus dem Ärmel: Eine schwedische Möbelkette könnte ihre Rettung sein. Vielleicht gab es dort, was sie benötigten.
Von skandinavischen Fleischbällchen gestärkt, tauchten sie ein in das Labyrinth der Verkaufsgänge. Auch hier gab es aber nur die teuren Taschen, die viel zu klein waren. Sie fragten einen Angestellten, aber auch er sagte nur, dass sie eigentlich in Regal XY sein sollten. Leider waren dort keine kühl haltenden Taschen zu finden.
„Vielleicht dann an der Kasse…?“, erwähnte er noch.
Das Mädchen verabschiedete sich, sammelte den Jungen ein und machte sich auf den Weg zur Kasse. Dabei kamen sie an einem elektronischen Gerät vorbei, das ihnen sagen konnte, ob das gesuchte Produkt überhaupt vorrätig war. „Über 80 Stück“, lasen sie und ihre Freude kannte kaum Grenzen.

Aber auch an der Kasse fanden sie nicht, wonach sie gesucht hatten. Nur normale Taschen waren dort vorhanden.

„Wir benötigen kühl haltende Taschen!“, erklärten sie (so oder so ähnlich) einem nahe stehenden Mitarbeiter. „Die sollten hier sein“, antwortete er ein wenig planlos. „Oder da drüben in der Süßigkeitenabteilung.“ Immer noch planlos zeigte er rechts neben sie – etwa 20 Meter entfernt.

Der Junge und das Mädchen seufzten. Was sollten sie auch anderes tun? Also machten sie sich auf den Weg. Ein leises Lachen konnten sie sich allerdings nicht verkneifen, als sie hinter sich die Stimme einer weiteren Mitarbeiterin hörten, die sich an den von ihnen zuvor zu Rate gezogenen Mitarbeiter wendete: „Wo sind eigentlich die kühl haltenden Taschen??“ – „Das wurde ich auch gerade schon gefragt!!“

Der Junge und das Mädchen hatten die Hoffnung schon fast verloren, als das Mädchen plötzlich leise aufschrie: „Da sind sie!!“ Tatsächlich. Ich einer versteckten Ecke bei den Süßigkeiten lagen sie: die kühlenden Taschen. Sie konnten es kaum glauben.
Überglücklich nahmen sie eine heraus und eilten zur Kasse.

„Sie haben sie!!“, rief der zuvor erwähnte Mitarbeiter, ebenfalls an seine ein wenig weiter weg stehende Kollegin gewandt.
„Wo haben Sie die denn gefunden??“, wollte die angestellte Dame wissen.
„Bei den Süßigkeiten!“, erklärte das Mädchen erfreut. „Dort und dann links an der Wand.“
Die angestellte Dame sah sie sehr verwirrt an. Ihr Blick sagte: „Was machen die denn da??“ Doch sie eilte nur mit einem dankbaren Nicken ebenfalls dorthin.

Das Mädchen und der Junge gingen zur Kasse und bezahlten. Sie konnten es gar nicht glauben. Da war sie. Blau strahlte sie ihnen entgegen. Der schwedische Möbelladen hatte alles übertroffen. Und endlich konnten sie ihre Suche beenden. Von Erfolg gekrönt verließen sie den Einkaufsladen und feierten ihren Sieg über die Hitze.

1 Kommentar

  1. Carmen
    Carmen 16. März 2023

    Vielen Dank für diese (nur für nicht Betroffene) lustige Geschichte. War doch mal eine andere Beschäftigung als nur Landschaften und Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Und wie man sich doch über kleine Erfolgserlebnisse freuen kann.

    Übrigens die Geschichten von dem Mädchen und dem Jungen sind immer sehr unterhaltsam! Spannend geschrieben. Natürlich auch die anderen Reisebeschreibungen und vor allem die wunderschönen, manchmal spektakulären, witzigen und landescharakterisierenden Fotos. Muss ja mal gesagt werden!

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