Da der Junge und das Mädchen nicht genug Bargeld hatten, um ihre Unterkunft in Liberia zu bezahlen, mussten sie erstmal welches holen gehen. Also erhielten sie vom elektronischen Bankschalter um die Ecke ihre gewünschte Summe und bezahlten den Hausherrn.
Als der Junge und das Mädchen am darauffolgenden Tag das Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde suchten und anschließend ein Erfrischungsgetränk zu sich nehmen wollten, kam der Junge erschrocken vom Kellner zurück, nachdem er gezahlt hatte, und sagte: „Ich finde meine Karte nicht mehr.“ Gemeint war die Karte, über die sie bis jetzt eine Vielzahl an Einkäufen erledigt hatten. Wo konnte sie denn sein? Lag sie in ihrer Unterkunft oder…
„Hast du sie beim Geld holen für die Unterkunft vergessen?“
Die Wahrscheinlichkeit war groß, dass die Karte beim elektronischen Bankschalter vom Tag zuvor war.

Auf dem Heimweg sahen sie direkt nach, aber die Karte ließ sich nicht mehr finden. Was also konnten sie tun? Sie machten sich auf den Weg zur nächsten Polizeistation und fanden einen älteren Herren vor, der nicht sonderlich begeistert aussah, es jetzt mit Ausländern zu tun zu bekommen.
„Mein Freund hat seine Karte im elektronischen Bankschalter vergessen“, erklärte das Mädchen mit gebrochenem Spanisch. „Gibt es einen Ort, wo wir sie wiederbekommen?“ Aber der Mann schien nicht zu verstehen. Oder verstehen zu wollen. Oder wusste nicht, was er jetzt damit anfangen sollte.
Er zog zwei zufällig vorbeilaufende jüngere Kollegen zu Rate. Das Mädchen versuchte auch ihnen zu erklären, wo das Problem lag. Endlich fragte der eine:
„Dort, die Straße runter?“
Sie nickte erleichtert. „Genau!“
„Der, wo man Stufen hochgehen muss?“
„Genau!!“
„Wo „Agencia“ außen dran steht?“
„Genau!!!“
Ein paar Augenblicke später hatte er auf ihrem mobilen Endgerät eine Adresse eingegeben. Sie sollten dorthin gehen. So etwas wie ein Fundbüro gab es nicht, aber sie könnten bei der Bank nachfragen. Nach weiterer Recherche sagte er ihnen, dass die Bank noch offen hätte und sie am besten gleich hingehen sollten.
Sie bedanken sich herzlich und verließen die Polizeistation.
Sie erreichten die eine Filiale nach etwa zehn Minuten, doch sie war geschlossen. Also machten sie sich auf den Weg zur zweiten Filiale.


Leider brachte all das Nachfragen nichts. Beide Filialen des Ortes hatten geschlossen und der Junge und das Mädchen mussten am nächsten Morgen um 7 Uhr weiterfahren.
Egal wo die Karte war, sie würde wohl nie wieder in die Hände ihres rechtmäßigen Besitzers finden.

Oh je … mehr als ärgerlich! Aber auch dieses kann den erfahrenen Weltenbummlern passieren.