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Es war einmal… eine einsame Insel

Ein paar Tage Entspannung. Zwar klingt Urlaub für die Menschen an sich schon nach Entspannung, doch das Mädchen und der Junge waren nicht einfach im Urlaub. Sie waren auf Reisen. Eine manchmal endlos lang scheinende Zeit. Und das konnte anstrengend sein.

„Lass uns ein paar Tage ans Meer fahren!“, schlug das Mädchen vor.
„Und nichts tun!“, stimmte der Junge zu.

Nun ja, „nichts tun“ war auch nicht ganz richtig, denn sie hatten, auch wenn sie gerade mal nicht reisten, genug zu tun. Planung plante sich schließlich nicht von alleine.
Doch ein paar Tage ohne das Verlangen, sich die Umgebung und das Dorf ansehen zu müssen, sollten nicht verkehrt sein. Also entschieden sich die beiden dazu, auf eine Insel zu fahren, wo sie möglichst wenig Ablenkung haben würden. „Koh Rong“ stach ihnen dabei direkt ins Auge.

„Das ist eine Insel vor dem Ufer der Stadt Sihanouk. Wollen wir dorthin?“, fragte das Mädchen und begann ihre Recherche.
Der Junge nickte. Das klang gut!
„Wollen wir es ein bisschen einfacher haben mit Einkaufsläden? Auf Koh Rong gibt es wohl auch ab und zu mal eine Feier. Oder wollen wir wirklich nur Ruhe und Strand?“, fragte das Mädchen weiter und überlegte hin und her.
„Nur Strand ist gut“, entschied der Junge.
„Dann sollten wir nach Koh Rong Sanloem fahren. Das ist eine kleinere Insel, wo nicht viel passiert.“

Und so war es entschieden. Das Mädchen und der Junge fanden durch ihre mobilen Endgeräte ein Boot, dass sie dorthin bringen sollte. Sie buchten den Hin- und den Rückweg, kauften noch einmal gut ein, denn auf der Insel würde es sicherlich nicht billig sein, und machten sich am entscheidenden Tag auf den Weg zum Hafen.

Gegen 2 Uhr am Nachmittag kamen sie am Hafen an und ließen ihre Fahrkarte am Schalter überprüfen. Alles würde gut gehen, nicht wahr? Sie waren rechtzeitig da, leider regnete es, aber das sollte ja kein Hindernis sein. Dachten sie.

„Wir fahren heute nicht um 2 Uhr“, wurde ihnen am Schalter gesagt. „Wegen schlechtem Wetter verschiebt sich die Fahrt um eine Stunde.“ Er drückte ihnen zwei Papierfahrkarten in die Hand und entließ sie wieder in den Regen. Der Junge und das Mädchen sahen sich ein wenig verwirrt an. Sie hatten doch gar nicht auf 2 Uhr gebucht, sondern sowieso auf 3 Uhr. Fuhr etwa jede Stunde ein Boot?

Nun denn, es konnte ihnen egal sein. Sie waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Zur angegebenen Zeit lief das Boot dann tatsächlich vom Hafen aus und die beiden sahen sich einer spannenden, wellenreichen Fahrt entgegen. Würden sie bei diesem Wellengang jemals ankommen? Das Mädchen hatte mit hohen Wellen auf offener See schon eine sehr unangenehme Erfahrung in ihrer Kindheit gemacht.

Doch es ging gut aus. Ein paar der wenigen Menschen auf dem Boot verschliefen die Fahrt sogar gänzlich – trotz des stetigen Auf und Abs. Der Junge und das Mädchen verließen das Wassergefährt und sahen sich ihrem Strandurlaub entgegen. Sie verbrachten drei wundervolle Tage an einem traumhaften Strand – mit nicht ganz so traumhaftem Wetter –, gutem Essen und viel Zeit, um an ihren Reiseberichten zu arbeiten und um zu entspannen.

Nach den drei Tagen sollte es an die Heimfahrt gehen. Sie hatten ihr Boot auf 4 Uhr am Nachmittag gebucht. An der Anlegestelle, an der sie auch angekommen waren – gleich neben ihrer Unterkunft. Am Strand gab es jedoch noch weitere Anlegestellen, zwei in der Mitte des Strandes und zwei oder drei am anderen Ende, sodass die beiden lieber nochmal im Hotel nachfragten, wo es denn letztendlich fahren würde.

„Um 4 Uhr fährt kein Boot. Und normalerweise auch nicht von dieser Anlegestelle. Manchmal kommt es hier her. Manchmal nicht. Aber es fährt um 3 Uhr“, wurde ihnen an der Rezeption ein wenig wage erklärt.

Was? Und jetzt? Was sollten sie denn mit diesen ungenauen Angaben anfangen? Wo sollten sie wann sein?

„Ich schreibe der Bootsmannschaft eine Nachricht und frage nach“, sagte die Angestellte und entließ sie wieder. Drei Stunden später, es war bereits 1 Uhr am Nachmittag, hatten sie noch immer keine Antwort und die Angestellte war allgemein gänzlich wie vom Erdboden verschluckt. Das war ja ein Service!

Als sie ihr Essen bezahlten, fragten sie also nochmal einen anderen Angestellten.
„Nein, das Boot fährt nicht von dieser Anlegestelle“, bestätigte er die Aussage seiner Mitarbeiterin. Aber sie hatten doch schwarz auf weiß, dass sie von diesem Ort aus abgeholt werden würden!
Er schüttelte den Kopf. „Wir können euch mit einem anderen Boot zur richtigen Anlegestelle bringen. Es kostet fünf Dollar.“

Der Junge und das Mädchen zogen sich erstmal zurück. Sie wussten weder, wann das Boot sie eigentlich abholen würde, noch, wo. Die Aussagen waren alle widersprüchlich. Die erste Angestellte hatte ihnen ja auch gesagt, dass das Boot ab und an an diese Anlegestelle kommen würde. Was, wenn sie nun an eine andere Stelle fuhren, das Boot letztendlich aber doch an die ursprünglich angedachte Stelle kam? Sie würden das letzte Boot am Tag verpassen!

Der Junge beschloss, zur ursprünglich geplanten Anlegestelle zu gehen und nachzufragen. Während er fort war, wurde das Mädchen noch einmal von dem Mitarbeiter angesprochen, dass der Transport zum anderen Steg doch kostenlos sei und sie um 3 Uhr abholen würde. Nun denn, zumindest das hatten sie nicht mehr zu bedenken.

Als der Junge wiederkam, schüttelte er den Kopf. „Es war nicht das gleiche Unternehmen, doch sie sagten, heute fährt unser Boot nicht an dieser Anlegestelle.“
Also hatten die Angestellten doch Recht. Sie mussten an den mittleren Steg, wo die meisten Boote fuhren und von wo aus sie absichtlich nicht gebucht hatten, weil es recht weit zu laufen war.

Fast pünktlich um ein paar Minuten nach 3 Uhr war es dann soweit. Aber kein Boot sollte sie zum anderen Steg bringen, sondern ein Landfahrzeug. Es bestand eigentlich nur aus einer Ladefläche.
Ihr Gepäck wurde darauf verfrachtet, sie selbst ebenfalls, und dann ging es los. Doch der Fahrer sprang nochmal ab und sah sie fragend an. „GTVC?“
Der Junge und das Mädchen sahen ihn nicht weniger fragend an. Was wollte er von ihnen?
„Speed?“, versuchte er es nochmal.
Ach! Er wollte das Unternehmen wissen, mit dem sie wieder zurück aufs Festland fuhren!
„Speedboat!“, antwortete das Mädchen.
Der Junge sah sie ein wenig zweifelnd an. „Ich glaube es heißt Speed Ferry…“
Doch sie zuckten mit den Schultern, denn der Fahrer schien schon zu wissen, wo er hin musste.

Und erneut setzte sich das Gefährt in Bewegung  – über Stock und Stein und manchmal sogar durch tiefes Gewässer, das sie nur so nass spritzte. Es war ein Abenteuer!

Als sie am mittleren Steg ankamen, wurde der Fahrer aber nicht langsamer. Der Steg zog vorbei und sie wurden immer unsicherer, also zeigten sie ihm letztendlich doch das Logo des Unternehmens. Er nickte und fuhr weiter. Nun gut, er würde schon wissen, wo es hinging.

An einer Stelle kam ein kleiner Junge auf das Gefährt zugelaufen und sprach den Fahrer an. Der hielt an und das Kind sprang vorne auf die Ladefläche und setzte sich neben den Fahrer.

Sie fuhren den Strand vollständig ab. Sogar über kleinere Felsen versuchte er sich mit dem Gefährt zu kämpfen. Der Junge und das Mädchen boten an, den Rest zu laufen – es war schließlich wirklich nicht mehr weit –, aber er winkte ab. Vielleicht war es ja eine Herausforderung, die er bewältigen wollte?

Nach etwa einer halben Stunde kamen sie am fast letzten Anlegesteg des Strands an. Der Fahrer brachte ihre Rucksäcke noch zum Wartebereich, wo schon zwei weitere Menschen saßen, und verabschiedete sich von ihnen.

Und mit leuchtenden Augen sahen sie, dass dort wirklich das Zeichen ihres Bootsunternehmens „Speed Ferry“ stand. Direkt daneben ein weiteres Schild mit dem Aufdruck „GTVC Speedboat“.

„Wir können froh sein, dass genau diese beiden den gleichen Anlegesteg haben!“, lachte der Junge und das Mädchen stimmte mit ein.
Sie hatten ihm anfangs schließlich gesagt, dass sie zum „Speedboat“ müssten und er hatte außerdem nach „GTVC“ gefragt. Nun fügte sich das Bild zusammen.

Als Abfahrtzeit stand auf der Anzeige ihres Unternehmens 3.30 Uhr am Nachmittag. Es war mittlerweile 3.35 Uhr, aber sie waren sich sicher, dass noch kein Boot gekommen war. Sie sahen noch einmal auf ihre Fahrkarte auf ihrem mobilen Endgerät. Nichts von den Angaben auf dem Ticket entsprach der Realität. Weder die Abfahrtszeit, noch der Anlegesteg.

Als sie das Boot kommen sahen, atmeten sie erleichtert auf. Sie hatten es geschafft. Ein weiteres Abenteuer war erfolgreich bestanden – und die ganze Entspannung der vergangenen Tage durch das Bangen, ob sie ihr Boot erreichen würden, zumindest ein wenig wieder zunichte gemacht.

1 Kommentar

  1. Carmen
    Carmen 10. September 2023

    Na das war ja mal wieder ein Gefährt! Und sicher eine lustige Erinnerung, auch wenn es euch in dem Moment nicht so lustig erschien.
    Die größten Herausforderungen auf eurer langen Reise scheinen doch die diversen Transportmittel samt Fahrplänen gewesen sein.

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