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Der unterirdische Flutwasserspeicher von Tokyo

An einem unserer letzten Tage in Tokyo waren wir in der benachbarten Präfektur Saitama, nördlich von Tokyo. Dort gibt es ein großes unterirdisches Sammelbecken, das bei Überschwemmungsgefahr im Raum Tokyo Wasser aus den tieferliegenden Flüssen aufnimmt und an andere, höher gelegene Flüsse ableitet. Dieser Ernstfall passiert allerdings nur wenige Male pro Jahr. An den übrigen Tagen ist dieses außergewöhnliche Bauwerk meist für Besucherführungen geöffnet. Um an einer Führung teilnehmen zu dürfen, muss man entweder selbst japanisch können oder man bringt eine Person mit, die übersetzen kann. Denn die Sicherheitshinweise (und auch alle anderen Informationen) gibt es nur auf japanisch. Ich war hier wieder mal sehr froh um Vickys Japanisch-Kenntnisse – wenn auch wir später den Eindruck hatten, dass man sich auch halbwegs leicht ohne Japanisch in die Führung rein mogeln könnte.

Bevor wir die Tour um 10:30 starten konnten, mussten wir erst mal quer durch Tokyo in die benachbarte Präfektur Saitama. Für diese Strecke mussten wir 3 mal umsteigen und dann noch eine halbe Stunde zu Fuß laufen – insgesamt haben wir so über 2 Stunden für eine Strecke gebraucht. Doch der weite Weg konnte uns nicht abhalten.

Dort angekommen bekam jeder Besucher einen Helm und Infomaterial (für uns sogar auf Englisch!). Die Gruppe war relativ groß und außer uns gab es offenbar noch ein paar andere Ausländer unter den Gästen. Dann ging es los mit den ausführlichen japanischen Sicherheitshinweisen. Außerdem wurde das Gebäude von außen gezeigt und die Funktionsweise der Anlage erklärt. Mehrere Flüsse sind an das System angeschlossen. Über gigantische Fallrohre wird das überschüssige Wasser aus mehreren Flüssen abgeleitet. Diese Fallrohre sind durch einen langen Tunnel mit 10m Durchmesser verbunden. Dieser Tunnel mündet schließlich in dem großen Becken, das wir besichtigen werden. Über riesige Pumpen kann das Becken in einen Fluss entleert werden, der direkt in den Pazifik mündet. Die Fläche über dem Becken wird übrigens als Fußballplatz genutzt.

Nun konnte es hinab unter die Erde gehen. Mit 2m Corona-Abstand und natürlich mit Mund-Nase-Bedeckung durften wir einzeln die vielen Beton-Stufen hinabsteigen.

Das Ausmaß der unterirdischen Halle lässt sich nur schwer in Worte fassen. 60m hohe Stützpfeiler dominieren das Bild. Dunkle Spuren an den Pfeilern und Wänden lassen bisherige Wasserstände erahnen. Licht dringt durch eine Öffnung in der Decke. Durch diese Öffnung können Bulldozer in das Becken abgelassen werden, um Schlamm und andere Rückstände des Flutwassers zu entfernen. Der Boden der Halle ist besenrein – teilweise sieht man, dass auch feucht gewischt wurde. Nur bei den Seitenwänden sieht man noch einige Häufen von getrocknetem Schlamm, die noch abtransportiert werden müssen.

Nach ein paar Erklärungen der Mitarbeiter dürfen wir uns alleine etwas umsehen und Fotos machen.

Dann ist die Tour auch schon wieder zu Ende und wir steigen wieder zurück zur Oberfläche. Es war ein beeindruckendes Erlebnis, das sicher nicht jeder Tokyo-Tourist auf dem Plan hat.

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