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Es war einmal… ein Spaziergang nach Laos

Siem Reap war die letzte Station, die der Junge und das Mädchen im fernen Königreich Kambodscha besucht hatten. Da sie nicht wie gelegentlich noch einmal vor der Heimreise mit den merkwürdigen weißen Fluggeräten reisen wollten, entschieden sie sich für das benachbarte Reich Laos. Unglücklicherweise hatten sie nicht mehr genug Zeit, um sich das Reich vollständig anzusehen und da die meisten Reisen in den Norden gingen, entschieden sie sich für das genaue Gegenteil: den Süden. Würde ihnen Laos gefallen, hätten sie für das nächste Mal immer noch genug im Norden zu besichtigen. Der Süden bot sich deshalb an, da das Königreich, in dem sie vorher Zeit verbracht hatten, nahe gelegen war. So konnten sie mit den üblichen Kutschen, die sie sich mit anderen Reisenden teilten, die Distanz zurücklegen. Nachdem sie zwei Wochen zuvor sehr spontan ihre Kutsche reservieren mussten, erreichte diese dann aber auch problemlos und wie geplant ihre Herberge am Morgen, um die beiden abzuholen.

Zur Mittagszeit hielt sie für etwa eine Stunde, um den Reisenden die Möglichkeit auf ein nicht ganz so pompöses Festessen zu geben, doch das Mädchen und der Junge hatten ihr Festessen bereits in ihren Taschen gehabt, darum war die Stunde für sie eher Verschwendung.

Mit etwa acht weiteren Reisenden brachen sie wieder auf und erreichten die Grenze zum anderen Reich am frühen Abend. Der Kutscher machte kurz vor der Grenze Halt und verteilte Zettel, die für die Reise in das andere Reich notwendig waren. Er drängte zur Eile, denn der Himmel versprach einen ungemütlichen Abend.

Das Mädchen und der Junge hatten ihre Zettel als erstes ausgefüllt. Zum Glück hatten sie außerdem bereits aus ihrer Heimat noch Portraits von sich dabei, die sie ebenfalls für die Reise in das Reich benötigten. Andere Reisende mussten erst noch solche von sich anfertigen lassen.

So wurden sie als erste aus ihrer Gruppe losgeschickt. Wohin sie gehen mussten, wussten sie nur grob, dann der Kutscher hatte ihnen nur gesagt: „Zum großen Gebäude!“ In diese Richtung liefen sie also, denn ihnen war eröffnet worden, dass sie im Reich Laos eine neue Kutsche erhalten würden. Sie erreichten „das große Gebäude“ mit ein wenig Hilfe der Ortskundigen. Das Gebiet war zwar überschaubar, aber nicht gerade klein und sie gingen auf den Fahrbahnen, die für die großen Kutschen gedacht waren. Nur gab es dort von diesen Fahrzeugen keines. Es war wohl gerade einfach keine Reisezeit zwischen den beiden Reichen.

Die Ausreise-Formalitäten des Königreichs Kambodscha verliefen ohne weitere Probleme. Doch wohin mussten sie nun gehen? Sie standen mitten im Nirgendwo! Befanden sie sich gerade auf neutralem Boden? Konnten sie nun Verbrechen begehen ohne von einem Reich dafür belangt zu werden? Nein, Moment. Sie wollten keine Verbrechen begehen! Sie waren doch der Junge und das Mädchen. Die Guten in der Geschichte. Oder?

Kurz sahen sich die beiden noch an, bevor sie unsicher lachend den Kopf schüttelten. Sie wollten einfach nur in das Reich Laos einreisen. Und so machten sie sich auf den Weg.

Der rot-weiße Schlagbaum versperrte ihnen das weitere Vorankommen, doch sie duckten sich einfach darunter hindurch. Es stellte sich als ein wenig kompliziert heraus, da sie beide ihr hoch aufgetürmtes Hab und Gut selbst schultern mussten, doch auch diese Hürde ward gemeistert. Vor ihnen tat sich in einigen hundert Schritten Entfernung ein weiteres Gebäude auf. War das ihr Ziel?

Als sie näher kamen, begrüßte sie ein Schriftzug im Reich Laos. Sie waren also auf einem guten Weg, aber ganz waren sie noch nicht da.

Die ersten Bediensteten des Reichs führten sie in einen Raum, in dem sie ihre zuvor ausgefüllten Unterlagen abgeben mussten. Glücklicherweise hatten das Mädchen und der Junge noch am Vortag genügend Taler abgehoben, sodass sie die Reise in das ferne Reich an der Grenze auch zahlen konnten. Es war nämlich teurer als ihnen gesagt worden war. Insgesamt 84 Taler ärmer verließen sie den Schalter wieder. Ihre wichtigsten Dokumente hatten sie abgegeben mit der Versicherung, sie würden sie in einigen Minuten wiederbekommen.

Während sie warteten, kaufte das Mädchen spontan für ihr mobiles Endgerät noch eine Karte, um auch in Laos mit ihren Liebsten in Verbindung stehen zu können.

Die Minuten vergingen und so langsam bekamen sie es mit der Angst zu tun. Würden sie ihre Dokumente jemals wiedersehen? Es kamen bereits viele andere Reisende und wollten ebenfalls einreisen. Ging am Ende doch noch alles schief?

Aber nein. Sie erhielten ihre Dokumente zurück und bekamen damit die offizielle Genehmigung, weiterzugehen. Zuvor mussten sie allerdings am nächsten Schalter noch einen Stempel in ihre Dokumente machen lassen – für nochmals zwei Taler. Auf der anderen Seite wartete auch schon ihre nächste Kutsche auf sie. Sie hatten es also endlich geschafft!

Nach ihnen stiegen noch zwei weitere Reisende aus einem fernen Land mit ein, die auch schon in der vorigen Kutsche mit ihnen gereist waren. Sie hatten noch einen weiten Weg vor sich, denn als der Junge und das Mädchen nach zwölf Stunden Reise endlich in ihrer Herberge in Laos ankamen, hörten sie hinter sich die beiden anderen Reisenden sagen: „Jetzt müsste doch von dieser Stadt aus unsere gebuchte Nachtkutsche nach Vientiane fahren…!“

Ihre eigene Kutsche war etwa zwei Stunden zu spät angekommen und sie selbst waren ziemlich müde von der langen Fahrt und deshalb froh, endlich in ihrer Herberge angekommen zu sein. Ob die anderen Reisenden ihre nächtliche Kutsche erreichen würden, die noch einmal etwa zwölf Stunden fuhr, würden der Junge und das Mädchen wohl nie erfahren.

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