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Es war einmal… die Tür zur Freundlichkeit

Eines Tages kamen der Junge und das Mädchen in eine Stadt namens Matanzas. Nachdem die Beiden ein kräftiges Abendessen bestehend aus Languste von ihrem Gastgeber auf dem Hausdach serviert bekommen hatten, schliefen sie einem wundervollen Tag in Matanzas entgegen.

Im Morgengrauen erwachten sie, stärkten sich bei einem leckeren Frühstück und verließen ihre Behausung.

Der Weg zu einem Aussichtshügel führte sie an einer atemberaubenden alten französischen Apotheke vorbei, die sie besichtigten. Vor rund 60 Jahren hatte diese Apotheke ihre Tore für Patienten geschlossen und für Museumsbesucher geöffnet. Laut Eigenaussage sei sie die einzige vollständig erhaltene französische Apotheke der Welt.
An diesem Tage sollten der Junge und das Mädchen sich in die Liste der Besucher einreihen.

Sie erfuhren viel über das alte Gemäuer und was alles darin geschehen war. Zwar erklärte die Museumswärterin während ihrer Privattour alles in der fremden Sprache, doch übergab sie den beiden zusätzlich einen Informationszettel in der Muttersprache des Mädchens und des Jungen.

Als sie das Gebäude wieder verließen, sahen sie dunkle Wolken aufziehen. Würden sie es noch schaffen, den Berg zu erklimmen? „Ja!“, sagten sie sich und gingen los. Tatsächlich erreichten sie die Spitze des Hügels, auf dem eine Kirche stand, noch zur rechten Zeit. Nur, um die ersten Blitze und Donnergrollen zu bemerken. Für ein paar Fotos nahmen sie sich die Zeit.

Schnell machten sie sich dann allerdings an den Abstieg, um nicht noch in Gefahr zu geraten. Sie erreichten die ersten Häuser der Stadt gerade noch rechtzeitig und verzogen sich in die Gassen des Stadtrands, als die ersten Tropfen den Boden benetzten.
Es half nichts. Der Regen setzte nun so richtig ein und so wie der Himmel aussah, wollte er so schnell auch nicht wieder aufhören. Also beschlossen sie, unter dem Vordach eines Hauses Zuflucht zu suchen und ein wenig abzuwarten.

So standen sie da und warteten. Das Vordach war winzig, aber noch schützte es sie vor den dicken Tropfen. Die kleinen Rinnsale am Straßenrand begannen sich in Bäche zu verwandeln. Wie lange sollten sie dort stehen? Die Luft wurde kälter und kälter.

Der Junge hatte sich direkt vor eine Tür gestellt, hinter der es jetzt zu klappern begann. Ein Aufschrei folgte. Dann ein Lachen.

Die Dame des Hauses wollte wohl nach dem Regen sehen und hatte nicht erwartet, dass direkt vor ihren Toren jemand stand. Sie hatte sich sehr erschreckt, aber auch sehr schnell wieder gefasst.

„Kommt rein, kommt rein!“, rief sie plötzlich dem Jungen und dem Mädchen zu, die sich für einen Moment an ein gewisses Märchen mit einem Lebkuchenhaus erinnerten.
Die beiden schüttelten kurz den Kopf, aber es sah nicht so aus, als würde die Dame mittleren Alters das durchgehen lassen. Außerdem sah die Dame auch gar nicht aus wie die Hexe aus dem besagten Märchen.
So saßen sie eine Minute später auf Schaukelstühlen im Raum hinter dem Tor – dankbar, dass sie dem strömenden Regen entkommen waren, aber auch ein wenig ratlos, was sie denn nun dort tun sollten. Ihre Kenntnisse der fremden Sprache beschränkte sich auf einfache Konversation von ein paar Minuten, wenn überhaupt. Keine ausführlichen Gespräche.

Ob sie etwas zu Trinken wollten. Wasser, Kaffee.
Der Junge und das Mädchen schüttelten den Kopf. Sie wollten keine Umstände machen.

Die Dame stand auf und ging in ein anderes Zimmer. Dumpf nahmen sie rauschendes Wasser einer Dusche wahr. Ein paar Worte wurden dort gewechselt. Wohl sagte die Frau einem Familienmitglied, dass sie Gäste an diesem Sonntagmittag hatten.

Ein paar Minuten später betrat ein Herr mittleren Alters den Raum. Er fragte sie, woher sie kamen und das Mädchen und der Junge waren überrascht, als auf ihre Antwort plötzlich ein „Wie geht es Ihnen?“ in ihrer Heimatsprache erklang.
„Woher können Sie Deutsch??“, fragten sie verwundert.
„Ich war schon in Deutschland und Osteuropa. Tschechien“, sagte er und fügte lachend hinzu: „Aber das ist lange lange her.“ Er sei Arzt und deshalb schon ein wenig herumgekommen.

Der Junge und das Mädchen waren sehr erfreut, denn obwohl sie auch gern auf der Heimatsprache des Ehepaars miteinander kommunizierten und die Frau nicht ausschließen wollten, war es doch einfacher, wenn man manche Dinge auch in der eigenen Muttersprache ausdrücken konnte.

Gelegentlich öffnete die Dame die Tür, um nach dem Regen zu sehen, aber der Wolkenbruch war unverändert. Also zogen sie in die Küche um und erhielten dort Wasser und Tee, was sie letztendlich doch annehmen wollten, um allen Anwesenden ein wenig die Zeit zu vertreiben.

„Seht mal!“ Die Dame lockte sie außerdem zum überaus großen Kochtopf. Er war zum Glück nicht groß genug, um sie, wie im Märchen, hineinzuwerfen.
Der Junge und das Mädchen sahen hinein. Es war eine rote Brühe, in der Gemüse und Fleisch vor sich hinkochten. „Das sieht super aus!“, riefen der Junge und das Mädchen.
„Wollt ihr was davon haben?“, bot ihnen die Dame an.
„Das ist typisch kubanisch!“, warf jetzt auch der Herr ein.
Und wie konnten sie dazu nein sagen. Das Frühstück war schon einige Zeit her, für Mittag hatten sie noch nichts bestimmtes eingeplant. Über das Abendessen hatten sie sich noch gar keine Gedanken gemacht. Und etwas wirklich Kubanisches… Wo bekamen sie das so authentisch, wenn nicht in einem einheimischen Haus, das nicht darauf vorbereitet gewesen war, Besucher zu empfangen?

Ein paar Minuten später saßen sie vor einem dampfenden Teller kubanischen Eintopfs, den sie genüsslich löffelten. Es schmeckte gut. Wirklich gut! Gerne hätten sie nach mehr verlangt, aber sie wollten nicht aufdringlich sein und schlugen auch das Angebot eines Nachschlags ab. Gerade erst hatte der Herr des Hauses erzählt, wie wenig ein Durchschnittskubaner im Monat verdiente, und selbst er als Arzt verdiente wohl nur ein paar wenige Euro mehr, nämlich etwa 25 Euro monatlich. Sie hatten auch schon ein paar Tage früher von einem Tourguide erfahren, dass auch dieser einen ähnlichen Monatslohn hat. Die monatlichen Ausgaben sind damit kaum zu bewältigen. Das war doch verrückt, dass selbst ein Arzt an der Armutsgrenze leben musste!
„Wir essen nur zweimal am Tag. Einmal Frühstück und dann nochmal am Nachmittag“, sagte der Herr mit einer wegwerfenden Handbewegung, um dann damit fortzufahren, dass alles so teuer war. Lebensmittel. Benzin. Es klang unterschwellig heraus, dass sie sich bei jedem Einkauf zweimal überlegen mussten, ob sie das wirklich brauchten. Wenigstens hatten sie ein großes Haus, sogar noch ein zweites Stockwerk!

Überraschend für den Jungen und das Mädchen war, dass der Herr zwar über das Leben klagte, aber nicht auf die bettelnde Art und Weise. Und auch kam zwar die Unzufriedenheit am gegenwärtigen Leben auf der Insel klar zur Geltung. Politik und Regierung wurden aber mit keinem Wort erwähnt. Der Junge und das Mädchen würden den Teufel tun und dieses Thema ansprechen.
Der Herr und die Dame zeigten auf ihren Handys noch Fotos ihrer Kinder und Urlaube, die sie dank Verwandtenbesuche machen konnten.

Nach etwa eineinhalb Stunden bemerkten die vier, dass der Regen nachließ und es nur noch leicht tröpfelte. Der Junge und das Mädchen wollten es wagen und sich wieder hinaus in die weite Welt begeben.

So verabschiedeten sie sich mit vielen Dankesbekundungen und Küsschen von den beiden Einheimischen, machten noch ein Abschiedsfoto und gingen dann wieder ihres Weges.

So hatte ihnen der unverhoffte Regeneinbruch am Ende doch noch etwas gutes gebracht.

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