Ein wenig Aufregung hatten wir vor unserem letzten Flug unseres Auslandsjahrs (zumindest vor der Heimreise). Wir standen in Japan am Check-in Schalter, als uns gesagt wurde, dass wir einen Weiterflug brauchen, um ins Flugzeug nach Kambodscha einsteigen zu dürfen. Natürlich hatten wir das alles vorher recherchiert und im Internet wurde uns gesagt, dass man eben keinen Weiterflug braucht. Naja, dem Internet kann man ja wohl auch nicht ganz trauen.
Bis jetzt hatten wir immer einen Weiterflug, weil wir ja wussten, dass wir weiterfliegen würden und es auch kein Problem war, das so weit zu planen. Diesmal hatten wir aber ein Problem: Wir würden von Kambodscha mit dem Bus nach Laos fahren und von Laos aus nach Hause fliegen. Unseren Flug von Laos nach Deutschland hatten wir schon gebucht und haben ihn auch am Schalter präsentiert, aber das war den Angestellten ziemlich egal. Das war ja nicht Kambodscha. Den Bus hatten wir aber noch nicht gebucht, weil wir uns eigentlich noch offen lassen wollten, wie viel Zeit wir in Kambodscha und wie viel wir in Laos verbringen wollten. Glücklicherweise haben wir aber schon mal einen groben Plan erstellt gehabt und auch rausgesucht, wo man Busse buchen kann. Und das hat uns letztendlich gerettet. Wir mussten dann nämlich vor Ort neben dem Check-in-Schalter ein Busticket nach Laos buchen. Es war sehr überstürzt, aber zumindest wussten wir, nach was wir suchen mussten. Also wurde schnell der Bus gebucht. Leider war der Status von unserer Buchung nur auf „angefragt“, aber das war den Mitarbeitern wohl egal und zum Glück ging es durch!
Nach einem recht unspektakulären Flug sind wir in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh angekommen, haben für je 36 Euro ein „Visum bei Ankunft“ besorgt und uns erstmal vom Tuk Tuk Fahrer übers Ohr hauen lassen (und daraus gelernt).


Im Hotel haben wir uns erstmal auf den nächsten Tag vorbereitet. Was wollten wir eigentlich anschauen? Wir hatten uns zwar schon mal lange vorher grob informiert, aber einen Plan hatten wir nicht so richtig. Also haben wir das Internet befragt und sind zum Schluss gekommen, dass wir nicht drumrum kommen, uns das Genozid-Museum anzusehen.
Dort haben wir viel über die schmerzhaften 70er Jahre erfahren. 1975 beendeten die kambodschanischen Roten Khmer einen Bürgerkrieg, in den sich auch Nordvietnam, Vietcong, Südvietnam und die USA mit eingemischt hatten. Die Kambodschaner freuten sich über das Ende der Kämpfe, aber ihr Leben sollte dadurch nicht besser werden. Von 1975 bis 1979 ereignete sich in Kambodscha unter der Regierung der Roten Khmer ein Völkermord, bei dem von einer Gesamtbevölkerung von acht Millionen Menschen zwischen knapp einer und zwei Millionen Kambodschaner getötet wurden. Auch viele Vietnamesen und muslimische Cham starben. Soweit wir es verstanden haben, wollten die Roten Khmer ein Land aufbauen, in dem alle gleich waren. Das bedeutete, alle mussten mehr als 10 Stunden auf den Feldern arbeiten und bekamen zwei Löffel Reissuppe als Tagesration. Alle sollten Bauern sein, darum tötete man Künstler, Mechaniker, Lehrer und Menschen mit einem höheren Bildungsabschluss. Es war sogar verboten, private Briefe zu schreiben und zu verschicken.
In Phnom Penh steht noch heute das S-21-Gefängnis, das ursprünglich mal eine Schule war. Dort wurden diejenigen eingesperrt, die dem Regime ein Dorn im Auge waren. Wie gesagt, das mussten nicht einmal Menschen sein, die sich in irgendeiner Weise gegen das Regime geäußert hatten, sondern die einfach nur dem „falschen Beruf“ nachgegangen waren oder klug waren. Auch Unschuldige wurden oft eingesperrt, wobei in den Augen der Folterer alleine der Umstand, dass sie verhaftet wurden, schon ihre Schuld bewies. All diese Menschen waren für das Regime der Roten Khmer nicht notwendig bzw. sogar gefährlich und mussten beseitigt werden. Also wurden sie in Gefängnissen wie S-21 eingesperrt und so lange gefoltert bis sie entweder starben oder ein hirnrissiges Geständnis abgaben, gegen das Regime und dessen Regeln gehandelt zu haben. Jeder Geständige wurde anschließend umgebracht. Viele Wärter oder andere Angestellte des Gefängnisses wurden selbst irgendwann zu Gefangenen.
Wir durften die Zellen besuchen, in denen die Gefangenen gelebt haben, und auch die Räume, in denen sie gefoltert wurden. Dort standen noch immer Betten, teilweise völlig verbogen, und recht grausame Fotos der verstorbenen Gefolterten hingen an den Wänden. Der Besuch des Museums war informativ und hat sehr zum Nachdenken angeregt.









In Phnom Penh waren wir außerdem noch bei verschiedenen Pagoden und Denkmälern und haben uns den Palast des Königs zumindest von außen angesehen. Wir haben dabei bemerkt, dass den Öffnungszeiten auf Google nicht so richtig zu trauen ist. Einmal waren wir wohl in der Mittagspause da und einmal, zehn Minuten nachdem der Palast eine Stunde zu früh zugemacht hatte.
Also haben wir uns einen Apfel- und einen Bananenkuchen mit Bier zum Abendessen gegönnt!












Den Abend haben wir schön ausklingen lassen, mit einer einstündigen Sonnenuntergangsfahrt auf dem Mekong – für zwei Euro pro Person.





Auf dem Heimweg gings noch kurz beim Nightmarket vorbei und wir haben uns Crepe machen lassen.


