Von Phnom Penh kann man mit dem Bus oder dem Zug nach Kampot fahren. Weil wir auf unserer Reise meist Fernbusse nehmen, haben wir uns diesmal für den Zug entschieden. Wir wollten wissen, wie die Züge in Laos so sind. Also haben wir unser Ticket online gebucht und sind am Tag vorher mal zum Ticketschalter gegangen, um zu sehen, ob wir für unsere Buchung ein Papierticket bekommen. Der Bahnhof sah toll aus! Neu gestrichen, sogar ein wenig pompös. An der Außenwand standen viele verschiedene Namen von Geschäften und „Eröffnung 2021“. Man konnte also viel erwarten.


Innen hat uns aber nur gähnende Leere erwartet – abgesehen von einem kleinen Stand, der irgendetwas zwischen Sicherheitsdienst und Information war. Innen waren weitere Tafeln mit computergenerierten Bildern der Bahnhofshalle als lebendiges Einkaufs- und Vergnügungszentrum. Naja, so SOLLTE es wohl aussehen.

Wir sind direkt durch die hinten offene Halle gegangen, weil dort ein Ticketschalter direkt am Anfang der Bahngleise war. Die Dame dort hat uns aber nur darauf hingewiesen, dass wir nichts anderes bräuchten und wir einfach nur die Bestätigungs-E-Mail im Zug zeigen sollten. Na gut.
Es standen ein paar mehr oder weniger alte Züge auf den verschiedenen Gleisen herum. Einer war recht lang und sah nicht ganz so alt aus. Wahrscheinlich war es der, mit dem wir dann auch am nächsten Tag fahren würden. Aber erstmal sind wir wieder nach Hause.



Am nächsten Tag sind wir also mit dem Tuk Tuk zum Bahnhof gefahren. Nach unserem Debakel vom Flughafen, bei der uns der Fahrer am Ende mehr als das Dreifache von dem berechnet hat, was wir eigentlich am Anfang der Fahrt vereinbart hatten, hatten wir uns in Phnom Penh die Grab-App runtergeladen. Damit kann man ganz einfach online ein Tuk Tuk rufen. Es muss nicht über Preise verhandelt werden, der Fahrer weiß sofort, wo man hin will, weil das schon direkt bei der Anfrage eingegeben wird, und es gibt so viele Tuk Tuks, dass oft innerhalb weniger Sekunden direkt einer dort ist, wo man ihn zum Einstieg haben will. Eigentlich wird in Kambodscha die Pass-App empfohlen, aber dafür braucht man eine kambodschanische Telefonnummer – wir haben aber nur Internet am Handy. Allerdings hat Grab sehr gut funktioniert, das hat unsere Reise deutlich einfacher gemacht.
Am Bahnhof angekommen sind wir zielstrebig zu den Gleisen gegangen und haben uns schon dem langen Zug zugewandt, als uns der Weg in die andere Richtung gewiesen wurde. Auf das Bahngleis gegenüber. Auf dem nur so etwas wie eine Lok stand. Aber es war keine Lok. Es war unser Zug. Über eine provisorische Treppe sind wir eingestiegen und das Innere des Zuges hat uns dann doch etwas überrascht. Alles war brandneu. Kein Krümel auf dem Boden. Keine ausgebleichten oder zerrissenen Sitzpolster. Die ganze Innenausstattung war makellos.



Wir haben uns also einen Vierersitz gesichert und gerade als wir es uns gemütlich gemacht hatten, kam eine Frau zu uns und fragte, ob sie ein Foto von uns machen dürfte. Wir waren sehr verwirrt, haben es aber geschehen lassen. Sie hatte auch noch von den anderen Passagieren Fotos gemacht.
Nach ein wenig Beobachtung waren wir uns sicher, dass sie zum Zugpersonal gehört. Auch draußen stand Personal, das Fotos vom Zug gemacht hat. Wir können es uns nur so erklären, dass das die erste Fahrt dieses Zugs war. Eventuell seit er renoviert wurde? Was mit unseren Fotos passiert, wissen wir natürlich nicht und werden es wohl auch niemals herausfinden.
Bevor es losging mussten die Türen per Hand zugezogen werden. Es hat bei der Fahrt relativ viel gewackelt und vom Wackeln sind auch die Türen immer wieder ein Stück aufgegangen. Ein Passagier hat sie dann händisch wieder zugemacht.
Die Fahrt war relativ langsam, aber spannend. Der Zug fährt nämlich teilweise sehr sehr nah an Wohnungen und Geschäften vorbei. Teilweise war kein Meter Platz dazwischen. Für die Menschen ist das Vorbeifahren des Zugs wohl auch eine Art Spektakel. Aber irgendwie ist das auch kein Wunder. Er fährt nur einmal am Tag und so viel passiert auf dem Land sonst wahrscheinlich auch nicht. Es war auch sehr schön, die Landschaft beobachten zu können. Es gibt in Kambodscha sehr viele Reisfelder, deshalb ist auch alles unglaublich grün.



Mit etwa einer halben Stunde Verspätung sind wir dann – auch eine Erfahrung reicher – gut angekommen.

