Im Bus von Lumbini nach Barathpur (etwa eine Woche nach unserer Ankunft) haben wir eine junge Frau aus Rumänien kennengelernt. Sie drückte uns jeweils eine Litschi in die Hand – zum probieren. Wir haben keine Kontaktdaten ausgetauscht, aber das Schicksal wollte es wohl so, dass wir sie in unserem nächsten Ort Bandipur wieder zufällig auf der Straße getroffen haben. Wir haben sie angesprochen und sie hat uns kurzerhand gefragt, ob wir nicht mit auf eine Seidenraupenfarm kommen wollen. Wir sind mit (es gab nicht viel zu sehen, weil nur zwei Monate im Jahr „Saison“ ist) und sind dann ins Gespräch gekommen. Sie hat uns von einem Fest in Kathmandu am 20. Juni erzählt. Ihre nepalische Freundin würde mit ihr hingehen und ob wir nicht auch wollten. Also haben wir letztendlich doch Kontaktdaten ausgetauscht und uns verabredet.


Der 20. Juni war unser letzter Tag in Nepal. Unser Flug Richtung Taiwan ging abends gegen 18 Uhr, aber das Fest begann vormittags, deshalb konnten wir zumindest einen Teil davon sehen. Generell ist das Fest Krishna gewidmet. Der Gott ist die achte Inkarnation des Gottes Vishnu, der mit Brahma und Shiva die drei wichtigsten Götter im Hinduismus darstellen. Krishna ist der Gott der Liebe und Freude, der Kuhhirten, Träger des unendlichen Bewusstseins des Universums und Retter der Welt.
Alles hat damit begonnen, dass in einem Park Menschen Opfergaben in Form von Blumen, Lebensmitteln oder Geld auf den großen Wagen gegeben haben. Es wurde getanzt und einige Ansprachen gemacht.



Anschließend ging der Festzug los. Rath Yatra heißt es, wenn man einen Festwagen durch die Straßen zieht. Auch wir sind Teil davon geworden! Es gab zwei sehr lange Taue, die mit dem Wagen verbunden waren. Das eine Tau wurde von Männern gezogen, das andere von Frauen – und jeder konnte mitmachen. Also haben wir uns auch ein bisschen dran gewagt und am chaotischen Tauziehen teilgenommen. Wer genau hinschaut, kann uns im folgenden (ersten) Video an den Seilen entdecken.






Irgendwann sind wir aber dazu übergegangen mit unserer Rumänischen Bekanntschaft und ihrer nepalischen Freundin nebenher zu laufen. Diese Freundin hat uns einiges über die nepalischen Bräuche erklärt, was uns sehr weitergeholfen hat.

In der Mitte zwischen den zwei Tauen, an denen wir den Wagen gezogen haben, konnte man tanzen. Dort liefen zwei besonders herausgeputzte Mädchen. Die eine repräsentierte den Gott Krishna, die andere eine andere Form von Krishna, Radha. Hinter ihnen haben ein paar Mädchen recht professionell getanzt, aber jeder konnte sich hinter ihnen einreihen und mitmachen. Zum Tanz wurde auch dauerhaft „Hare Krishna“ und „Hare Raman“ gesungen, sodass wir diese Rufe jedes Mal wieder im Ohr haben, wenn wir an das Fest denken.






Vom Wagen wurden Lebensmittel geworfen – Nüsse, Obst und auch Gebäck. Von einem in einer religiösen Schule aufgezogenen Jungen, der auf dem Wagen mitgefahren ist, habe ich eine rote Nelke für die Haare bekommen. Er hat immer mal wieder Blumen von der Wagendeko abgemacht und sie den Mitlaufenden gegeben.
Auch Wasser und Saft wurde verteilt. Am Ende des Festzuges gab es auch ein großes Essen für alle, allerdings mussten wir da schon zum Flughafen, deshalb haben wir das leider nicht mehr mitbekommen.
Wir sind sehr froh, dass wir das Fest noch miterleben konnten – an unserem Abflugtag aus Nepal! Es hat uns die Kultur am letzten Tag noch einmal ein gutes Stück näher gebracht und eine spannende und lebhafte Seite von Nepal gezeigt. Ein genialer Abschluss für ein einzigartiges Land.

