Der Junge und das Mädchen hatten sich einen Tag rausgesucht, an dem sie mit einem motorbetriebenen, zweirädrigen, fahrbaren Untersatz ein paar Senklöcher besuchen wollten. Der Plan war, in einigen dieser Löcher zu schwimmen und anschließend noch eine alte Ruinenstätte der Maya zu besuchen. Problemlos bekamen sie unweit ihrer Unterkunft für 24 Stunden einen Motorroller, den sie – aus keinem ersichtlichen Grund – Velvet tauften.

Der Junge setzte sich an den Lenker, das Mädchen dahinter, und los ging es! Das erste Senkloch, auch Cenote genannt, wurde problemlos erreicht und sie liebten es! Das zweite Senkloch ließen sie aus, da sie doch recht teuer waren und fuhren weiter zum dritten. Das Mädchen machte sogar ihre ersten Erfahrungen am Lenker des motorbetriebenen Zweirads. Und das war gar nicht so einfach wie gedacht!

Der Tag war perfekt. Alles lief wie geplant. Nachdem sie bei der unterirdischen Cenote wieder aus dem Wasser kamen, merkten sie dass es wohl kurz geregnet haben musste, als sie im Wasser waren. Der Boden war feucht und es lag der Geruch von Regen in der Luft.
Noch drei Cenoten und die Ruinen lagen vor ihnen. Es war Mittag und der Tag noch lang.
Graue Wolken standen bedrohlich tief am Himmel. Genau in der Richtung, in die das Mädchen und der Junge fahren wollten. Doch umkehren machte auch keinen Sinn mehr, denn sie waren an dem Punkt ihrer Route, wo sie am weitesten von ihrer Unterkunft entfernt waren. Es hieß also: Weiterfahren!
Fünf Minuten später geschah es: Fast schon spielerisch fielen die Tropfen auf die Helme der beiden.
Mehr und mehr spürten sie den Regen auf Armen und Beinen. Kälter und kälter wurde der Wind. Die Regentropfen fühlten sich mittlerweile fast wie Nadelstiche auf ihrer nackten Haut an.
Es hatte keinen Sinn mehr.
Unter einem Baum hielten sie an und stellten Velvet ab. Glücklicherweise befand sich nur ein paar Meter entfernt ein kleiner Laden, der zwar geschlossen war, aber ein großes Vordach hatte. Das Tor war offen und das Mädchen und der Junge entschlossen sich, für einen Moment dort auszuharren.
Kaum waren sie unter dem Dach angekommen, begann es wie aus Eimern zu gießen. Gerade so hatten sie es also geschafft!
Doch es war kein kurzer Schauer. Fast eine Stunde saßen sie dort verloren und alleine draußen unter dem Dach. Einmal lief kurz der Bewohner des Nachbarhauses in seinen Garten, warf ihnen einen amüsierten Blick zu und verzog sich schnell wieder nach drinnen.


Irgendwann entschieden sie, nachdem der Regen weniger geworden war, dass sie weiterfahren würden. Sie setzten sich also auf das nasse Gefährt (zum Glück hatten sie sowieso Badekleidung an) und fuhren weiter.
Doch es wurde nicht besser. Der Regen wurde wieder stärker und bei der nächsten Gelegenheit machten sie erneut einen Zwischenstopp. Diesmal war es ein Geschäft für Hängematten. Eine Frau saß auf der großen Terrasse und nähte. Also fragten der Junge und das Mädchen, ob sie sich einen Moment auf die Stufen dafür unter das Dach setzen konnten.
Die Frau lachte und sagte in ihrer Sprache: „Der Regen!“, bevor sie zwei Stühle aus dem Inneren des Hauses holte und ihnen hinstellte.
Das Mädchen nickte lachend und sie bedankten sich für die Freundlichkeit.
Eine Hängematte kauften sie zwar nicht, aber sie waren trotzdem sehr dankbar, dass sie die nächste Viertelstunde im Trockenen warten konnten. Dabei entschieden sie, sich auf den Rückweg zu machen, kein weiteres Senkloch mehr anzusehen und auch keine Ruinen. Dafür wollten sie aber am nächsten Morgen zu den Ruinen, schließlich hatten sie ihr Velvet da noch für ein paar Stunden am Morgen.
Eine Sache beunruhigte sie aber dennoch auch weiterhin: Ihr Tank war fast leer und sie waren am weitesten von ihrer Unterkunft weg, wie sie an diesem Tag hätten sein können. Mit einem mulmigen Gefühl stiegen sie also wieder auf ihr Gefährt. Kalter Wind peitsche um ihre Körper, als sie sich auf den einstündigen Rückweg machten, die Anzeigenadel des Benzins dabei immer im Blick. Wieso kam denn nur keine Tankstelle mehr?! Empfang hatten sie auch keinen, um nachzusehen.
Doch letztendlich schafften sie es. Der Tank wurde gefüllt und das letzte Stück des Heimwegs bestritten. In ihrer Unterkunft gab es leider keine heiße Dusche, aber sie waren froh, zumindest dem Regen entkommen zu sein.
