In einem fernen Land namens Florida sollten das Mädchen und der Junge eine Erfahrung machen, die ihre folgenden drei Monate verändern sollte. Eine Dame erklärte ihnen, dass es eine Insel gab namens Kuba, wo niemand Seife besaß.
„Ein Freund von mir ging einmal dorthin und wurde immer wieder nach Seife gefragt“, erzählte sie.
Menschen bettelten um ein Stück Seife, denn die Preise dafür sollen horrend sein. Zwei Monate später würden der Junge und das Mädchen auf genau dieser fernen Insel namens Kuba sein.
„Lass uns ihnen eine Freude machen!“, schlug das Mädchen vor.
„Ja, lass uns Seife sammeln, so oft wir können!“, stimmte auch der Junge zu.
Also entschieden sie sich dazu, von diesem Tage an jedes überschüssige Stück Seife aus ihren Gasthäusern mitzunehmen, um sie an Menschen zu verteilen, die sie dringender brauchten.
In jenen Tagen übernachteten sie oft in amerikanischen Gasthäusern, sodass im Laufe der Zeit so einige Seifenstücke zusammenkamen. Auch anschließend, als sie nach weiter in den Süden nach Costa Rica reisten, hielten sie an ihrem Vorhaben fest. Ihre Taschen wurden immer schwerer, denn am Ende hatten sie schließlich 26 Stück Seife gesammelt.
Voller Freude schleppten sie ihre schweren Taschen in ihre erste Unterkunft im sagenumwobenen Havanna. Als sie dort das Bad betraten, rief der Junge ungläubig: „Schau mal was da liegt!“ und zeigte auf ein Stück eingepackte Seife. Sie dachten sich aber nicht viel dabei. Sie waren übermüdet und mussten sich auch erst noch mit einigen Besonderheiten des Landes zurechtfinden, deshalb verschenkten sie am ersten Tag auch noch keine Seife. Es sollten noch viele Gelegenheiten kommen.
Dachten sie.
Ihre Reise führte sie durch das Vinales-Tal, nach Sancti Spiritus und Santa Clara. Und mit jedem Tag wuchs ihr Zweifel am Wahrheitsgehalt dessen was die Dame ihnen drei Monate zuvor erzählt hatte.
„Wieso wollen sie unsere Seife nicht?“, fragte der Junge.
„Vielleicht war es nur früher so?“, dachte das Mädchen laut nach.
„Wir haben so viel Seife!“ Der Junge war ratlos.
Was sollten sie jetzt nur mit der ganzen Seife machen, wenn niemand Seife brauchte?
„Wir könnten sie in den Unterkünften lassen“, warf der Junge ein.
Das wäre natürlich eine Möglichkeit. Die Casa-Besitzer konnten sie sicher brauchen. Aber eigentlich hatten sie durch ihren guten Verdienst schon genug Annehmlichkeiten.
„Gibt es niemanden, der sie dringender brauchen könnte?“, seufzte das Mädchen.
Dann, eines Tages, sie hatten gerade die Stadt Trinidad erreicht und erkundeten die Altstadt, da verliefen sie sich in den hinteren Gassen. Die Wege wurden ungepflegter, die Häuser kleiner. Und eine Frau kam auf sie zu. Diese verwickelte sie in ein kurzes Gespräch, bevor sie in der Sprache des Jungen und des Mädchens das Wort aussprach, worauf die beiden seit einer Ewigkeit gewartet hatten: „Seife?“
Die beiden starrten sich an. Sie mussten sich zusammenreißen, nicht zu lachen. Vor Freude und Verzweiflung. Denn sie hatten in diesem Moment kein einziges Stück Seife bei sich. Alles lag in ihrem Gasthaus und wartete darauf, mit hinaus genommen zu werden.
Das konnte doch nicht wahr sein! Endlich fragte jemand danach und sie hatten es nicht geschafft, ein Stück Seife in ihre Taschen zu packen. Diesen Fehler würden sie nie wieder machen! Tatsächlich hatten sie von da an immer mindestens ein Stück bei sich.
Doch an diesem Tag mussten sie bedauernd mit dem Kopf schütteln und weitergehen.
Das Schicksal meinte es gut mit ihnen. In Trinidad baten sie noch ein paar weitere Bewohner um das weiße Mittel, um sich sauber zu halten. Und so brachten sie ein paar Stück des wertvollen Guts in die Hände des kubanischen Volks.
Doch lange war die Nachfrage nicht so hoch, wie ihnen überliefert worden war. Oder zumindest wurden sie nur selten darum gebeten.
Die Tage auf der Insel neigten sich dem Ende entgegen. Der Junge und das Mädchen kehrten zurück ins sagenumwobene Havanna, um dort ihre letzten Tage zu verbringen. Dort sprach sie irgendwann ein kleines Kind an. Was genau es wollte, verstanden die beiden nicht, aber das Mädchen zog eine Seife aus ihrer Tasche und gab sie ihm. „Jabón“, sagte sie dem Kind eindringlich. Es sollte nicht denken, dass es gerade Gebäck oder ähnliches bekommen hatte. Das Kind nickte freudestrahlend und hüpfte fröhlich zu seiner Mutter, um ihr zu zeigen, was es bekommen hatte.
Glücklich darüber, dass sie einige der wertvollen Stücke unter Menschen gebracht hatten, aber auch ein wenig verzweifelt, weil sie noch mindestens die Hälfte davon mit sich herumtrugen, ließ das Mädchen an verschiedenen Orten in der Stadt ein Stück eingepackte Seife liegen. Sie war sich sicher, dass sie schon in gute Hände geraten würden.
Nun hatten sie so gut wie alles verteilt! Endlich!
Es war ein paar Tage später in einem anderen fernen Land beim packen ihrer Koffer, als sie ungläubig entdeckten, dass sich versteckt in ihrem Gepäck noch immer ganze 11 Stück Seife befanden…

